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Abend voller Raritäten

Göttinger Symphonie-Orchester mit Wiener Klassik in der Uni-Aula Abend voller Raritäten

Überraschungen erwartet man von Konzerten mit klassischer Musik kaum. Höchstens gibt es einmal eine einzelne Fundsache, sanft eingehüllt von gängigem Repertoire. Dass aber ein ganzer Abend mit Musik des 18. und 19. Jahrhunderts aus Raritäten besteht, ist ziemlich einzigartig.

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Solistin beim Konzert des Göttinger Symphonie-Orchesters: Solenne Païdassi.

Quelle: EL

Göttingen. „Treffpunkt Paris“ lautete der Titel des Konzerts des Göttinger Symphonie-Orchesters (GSO) am Donnerstag. Es war der Eröffnungsabend des Zyklus Wiener Klassik, der jetzt vom Deutschen Theater in die Universitätsaula umgezogen ist und dort, wie der gute Besuch zeigte, ebenso viel Zuspruch findet. „Wiener Klassik“ ist hier nicht als Angabe des Herkunftslandes, sondern als Stilbezeichnung zu verstehen.

Vier Komponisten, die alle in Paris gewirkt haben, standen auf dem Programm: der aus Salzburg stammende Haydn-Schüler Sigismund von Neukomm, der Degenfechter und Violinvirtuose Joseph Bou­logne, Chevalier de Saint Georges, der auf Guadeloupe geboren wurde, dazu Luigi Cherubini und Etienne-Nicolas Méhul, die beide von ihrem Zeitgenossen Beethoven hoch geschätzt wurden. Und es war beileibe keine verstaubte Bibliotheksware, die das GSO hier darbot, sondern geistreiche, farbensprühende, dramatisch anrührende Musik.  

Gastdirigent Wolfram Christ – nach mehr als 20 Jahren als Solobratscher bei den Berliner Philharmonikern nun seit längerer Zeit ins Dirigentenlager übergewechselt – eröffnete den Abends mit Neukomms Orchesterfantasie d-Moll, einem faszinierenden Stück frei schweifender Gedanken, die in klare Formen gefasst sind und von kontrastierenden Affekten belebt werden. Solistin im aparten fünften Violinkonzert von Joseph Boulogne war die 1985 geborene Violinistin Solenne Païdassi, die ihren letzten Schliff bei Krzysztof Wegrzyn an der Musikhochschule in Hannover erhalten hat. Sie spielte ihren anspruchsvollen Part mit blühendem Ton bis hinauf in schwindelnde Höhen, sehr lebendig in der musikalischen Gestaltung, nur an wenigen Stellen nicht lupenrein in der Intonation. Das GSO unter Christ, schon in der Neukomm-Fantasie inspiriert und konzentriert, gestaltete seinen Part mit großer Vitalität und Temperament. Die Reaktion der Zuhörer war eindeutig: Ihr Beifall forderte eine Zugabe der Solistin. Païdassi dankte mit der blitzend virtuos gespielten a-Moll-Caprice von Paganini.

Schwergewichte waren auch die beiden übrigen Programmpunkte: Cherubinis Ouvertüre zu „Les deux journées“ und die D-Dur-Symphonie von Méhul. Das war eine Musik, die sich an Beethoven messen kann, groß im Ausdruck, gehaltvoll in der Aussage. Der lang anhaltende Beifall galt neben den Musikern der kenntnisreichen Moderatorin des Abends Dorothea Schröder, die in ihren Einführungen die Personen und Werke in vielen Facetten darstellte.

Am Sonntag, 15. Februar, eröffnet das GSO seine Reihe „Winterserenade“ um 19.45 Uhr im Deutschen Theater. Das zweite Konzert im Zyklus Wiener Klassik ist am Donnerstag, 12. März, um 19.45 Uhr in der Universitätsaula angesetzt.

Von Michael Schäfer

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