Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Symphonie Orchester eröffnet Philharmonischen Zyklus I

„Minimal bis monumental“ Göttinger Symphonie Orchester eröffnet Philharmonischen Zyklus I

„Minimal bis monumental“ hieß das Motto des Konzerts, mit dem das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Freitag in der Göttinger Stadthalle seinen Philharmonischen Zyklus I eröffnete. Solist des Abends war der aus Göttingen stammende Pianist Alexander Schimpf, der spätestens seit seinem Wettbewerbstriumph 2011 in Cleveland international gefragt ist.

Voriger Artikel
Front Porch Picking bei Pop Meets Classic 2016 in Göttingen
Nächster Artikel
Nikki Forova und Band im Göttinger Apex

Solist des Abends ist der aus Göttingen stammende Pianist Alexander Schimpf, der spätestens seit seinem Wettbewerbstriumph 2011 in Cleveland international gefragt ist.

Quelle: Pförtner

Göttingen. Mit Joseph Haydns Ouvertüre in D-Dur begann das Konzert unter der Leitung seines Chefdirigenten Christoph Mathias Mueller. Sehr spritzig und in bester Spiellaune spielten die Musiker dieses kurzweilige Vier-Minuten-Stück: ein vorzüglicher Appetitanreger vor den Hauptwerken des Abends, dem G-Dur-Klavierkonzert von Ludwig van Beethoven und der dritten Symphonie von Anton Bruckner.

Mit fünf Takten des Solisten allein beginnt Beethovens Klavierkonzert. Damit gibt der Pianist sozusagen seine Visitenkarte ab. Schimpf befolgte exakt die Piano-Vorschrift des Komponisten, gab dem Thema dennoch sehr klare Konturen und machte im Nu den spezifischen Gestus der musikalischen Sprache Beethovens deutlich. Mit dem Einsatz des Orchesters wurde sogleich klar, dass Dirigent und Solist dieselbe Sprache sprechen. Nicht immer sind sich sonst konzertierende Partner derart einig in dem, was sie tun, was sich vor allem in den bemerkenswert synchronen Tempoübergängen erwies.

Ganz uneitel präsentierte Schimpf in den virtuosen Passagen sein ausgereiftes pianistisches Können: blitzsauber perlende Läufe, weitgespannte melodische Bögen und eine fein abgestufte Kunst des Anschlags. All dies stand immer im Dienst der musikalischen Aussage, die im bewegenden Orchester-Solo-Dialog des langsamen Satzes eine besonders eindringliche, im tänzerischen Finale eine ansteckend fröhliche Wirkung entfaltete. Für den begeisterten, lang anhaltenden Applaus des Publikums bedankte sich Schimpf mit den betörend zarten Klängen von Claude Debussys „Clair de lune“.

Nach der Pause war das GSO mit zahlreichen Zusatzkräften auf rund 70 Instrumentalisten verstärkt. Mueller präsentierte Bruckners dritte Symphonie in der selten zu hörenden Erstfassung von 1873, in der sich die Wagner-Begeisterung des Komponisten besonders deutlich artikuliert. In seiner kurzen Einführung bekannte Mueller, dass diese ungeglättete, ja wilde Version seine persönliche Lieblingsfassung sei.

Das war seinem ungemein engagierten Dirigat stets anzumerken – mit den in kluger Vorausschau angelegten weiträumigen Steigerungen, den markant gesetzten Höhepunkten, die auch im Fortissimo nie roh klangen, sondern immer klar strukturiert waren. Auch von den bisweilen äußerst komplexen Rhythmen ließen sich die GSO-Musiker nicht aus der Spur bringen und erbrachten hochkonzentriert eine sehr geschlossene Leistung. In den brausenden Schlussbeifall mischten sich Bravorufe.

Am Freitag, 2. Oktober, spielt das GSO um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2, Werke von Haydn, Kikta, Eshpaj und Beethoven.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff