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Liebe und Enthusiasmus

GSO eröffnet Konzertsaison Liebe und Enthusiasmus

Mit einem außergewöhnlichen Programm hat das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Freitag die neue Konzertsaison in der Stadthalle eröffnet. „Grenzgänger“ hieß das Motto des Abends unter der Leitung von Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller.

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Von Schumann war ein symphonisches Werk zu hören, das zuletzt vor 35 Jahren vom GSO präsentiert wurde: Ouvertüre, Scherzo und Finale op. 52. Den Schluss bildete die breit ausgesponnene Lemminkäinen-Suite von Jean Sibelius, die fast nie komplett zu hören ist. Dazwischen standen zwei Werke mit dem Violinsolisten Kolja Lessing: die Musik für Geige und Orchester von Rudi Stephan (entstanden 1912) und Max Regers „Aria“.

So viel Unbekanntes war offenbar einem Teil des GSO-Publikums zu gefährlich, es blieb dem Konzert fern, sodass etliche Stuhlreihen unbesetzt blieben. Wer dennoch gekommen war, erlebte einen spannenden, animierenden, faszinierenden Abend. Denn sowohl Mueller als auch die GSO-Instrumentalisten widmeten sich diesen Raritäten mit Liebe und Enthusiasmus.

Göttingen.

Die drei Schumann-Sätze gestaltete Mueller mit federnden Rhythmen, wunderschön klagenden Seufzern und strahlender Freude im Finale. Der Kontrast dieses leichtgewichtigen Werks zu Stephans Musik für Geige und Orchester war groß: Der 28-jährig im Ersten Weltkrieg gefallene Komponist hat hier eine tiefernste, stellenweise hochdramatische Musik geschaffen. Die zeichnete Solist Lessing mit beseeltem Ausdruck nach, mit enormer Virtuosität und perfekter Intonation. Mit atemberaubender Zärtlichkeit zelebrierte er Regers Aria: eine intime Huldigung an Johann Sebastian Bach. Brausender Applaus, als Zugabe Regers d-Moll-Präludium für Violine solo, das man auch als Kadenz im Brahms-Violinkonzert hören kann.

Bravourös das Finale des Abends: Die Lemminkäinen-Suite von Sibelius ist so etwas wie eine Kurz-Oper ohne Bühne, hier wild und voller Elan, dort melodienselig-lyrisch. Von den schönen solistischen Leistungen seien wenigstens das Englisch Horn von Viorel Bindila und sein Duettpartner Joachim Mittelbach (Violoncello) im „Schwan von Tuonela“ erwähnt. Langer, begeisterter Beifall, untermischt mit Bravo-Rufen.

 

Das nächste GSO-Konzert: „Orphische Gesänge“ mit Musik von Liszt, Tschaikowsky und Schubert am Freitag, 14. Oktober um 19.45 Uhr in der Stadthalle.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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