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Göttinger Symphonie-Orchester präsentiert Abend mit Filmmusik

Klangfarben in Technicolor Göttinger Symphonie-Orchester präsentiert Abend mit Filmmusik

Filmmusik? Da runzelt der intellektuelle Musikfreund die Stirn, das ist nichts Ernstzunehmendes. Nein, so geht Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller nicht mit diesem Genre um. Er widmet ein ganzes Konzert seines Göttinger Symphonie-Orchesters der Filmmusik – und erntet begeisterte Ovationen.

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Konzentriert: das Göttinger Symphonie-Orchester unter der Leitung von Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Heller

Göttingen. So geschehen jetzt in der gut besuchten Stadthalle. Der Abend unter dem Motto „Als die Bilder laufen lernten“ startete mit einer Suite aus der Musik zu „The Adventures of Robin Hood“, komponiert 1938 von Erich Wolfgang Korngold, 1939 mit dem Oscar gekrönt. Festliche Fanfaren, ein ganz unmilitärisch fröhlicher Marsch, ein zärtliches Liebesthema und eine Siegeshymne für den Beschützer der Armen und Entrechteten: Eine bunte Welt der Gefühle tut sich auf, auch die Klangfarben haben etwas von Technicolor. Die Orchesterbehandlung ist brillant, die Musik hat Spannung, Schwung und Leidenschaft – genau die richtigen Zutaten, um ein Publikum in Laune zu versetzen. Eine gute Filmmusik bleibt auch ohne Film eine gute Musik. Das honorierten die Zuhörer mit ihrem begeisterten Beifall.

Das zentrale Werk des Abends hatte allerdings nur peripher etwas mit Filmmusik zu tun. Denn Miklós Rózsas 1979 komponiertes Bratschenkonzert war nie für die Leinwand bestimmt. Doch gehört Rózsa – der wie Korngold in der Nazizeit in die USA emigrieren musste – zu den wichtigsten Filmmusikkomponisten Hollywoods. Von ihm stammen etwa die Partituren zu „Quo vadis“, „Ben Hur“ und „El Cid“.

Der Solist in diesem bemerkenswerten Konzert ist nahezu in jedem Takt beschäftigt. Er spielt die führende Rolle, ist der Impulsgeber dieser Musik. Dafür war Lawrence Power die ideale Besetzung. Der 1977 in England geborene Musiker besitzt geradezu vulkanisches Temperament, eine blendende Virtuosität und einen wunderbaren, raumfüllenden Ton, für den gewiss auch sein kostbares italienisches Instrument verantwortlich ist. Es ist nicht allein die Lautstärke, sondern auch die ungewöhnliche Präsenz des Klanges, der ganz selbstverständlich in den Vordergrund tritt, ohne sich aufzudrängen. Rószas Musik fesselt den Hörer durchgehend, sie ist kontrastreich, stürmt hier vehement vorwärts, um dort wieder lyrisch innezuhalten. Mueller besaß eine hochempfindliche Antenne für seinen exzellenten Solisten, vermittelte dem Orchester im Nu jede kleinste Temponuance, so dass Solo und Tutti eine perfekte Einheit bildeten. Der Applaus für Power und das GSO wollte kaum enden.

Musik zum Computerspiel „World of Warcraft“ von Russell Brower eröffnete die zweite Hälfte des Abends. Dabei war sehr schön zu beobachten, wie bruchlos eine solche Musik die Tradition von Filmmusik fortsetzt: Es sind dieselben Mittel, es ist auch dieselbe Sogwirkung, die diese Klänge auf den Zuhörer ausüben.

Das gilt in noch weit größerem Maße für die „Star Wars Suite“ von John Williams, dem Finale des Konzerts. Geradezu blechgepanzert ist die Partitur, ohne dass Holzbläser oder Streicher dabei arbeitslos würden. Die musikalischen Effekte sind präzise gesetzt. Wer Filmmusik schreibt – Williams ist der Hauskomponist von Steven Spielberg, für den er bis 2012 27 Filme vertont hat –, kennt sich in Fragen der Dramaturgie bestens aus.

Prächtige solistische Leistungen steuerten etliche GSO-Musiker an diesem Abend bei, stellvertretend erwähnt seien Bettina Bormuth (Flöte) und Wojtek Bolimowski (Violine). Am Ende gab es lautstarken, lang anhaltenden Beifall für das Orchester und seinen Dirigenten: Der hat nicht nur ein Händchen für seine Musiker, sondern ebenso auch für die Programmgestaltung.

Nächster GSO-Termin: Konzert „Inspiration“ am Freitag, 24. April, um 19.45 Uhr in der Stadthalle, Albaniplatz 2.

Von Michael Schäfer

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