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Göttinger Symphonie-Orchester spielt „Tanzschritte“ in der Stadthalle

Tänzerisch beflügelt Göttinger Symphonie-Orchester spielt „Tanzschritte“ in der Stadthalle

Was für ein beschwingter Abend! „Tanzschritte“ hieß das Motto des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) am Freitag in der voll besetzten Stadthalle, und tänzerisch beflügelt war das gesamte Programm. Es vereinte so gegensätzliche Komponistennamen wie Strauß, Schönberg und Beethoven.

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Perfekter Partner für das Orchester: Pianist David Kadouch.

Quelle: Vetter

Göttingen. Mit dem „Kaiserwalzer“ von Johann Strauß startete das GSO unter der sensiblen, immer wieder befeuernden Leitung von Christoph-Mathias Mueller in den Abend. Die zarte, ganz kammermusikalisch musizierte Introduktion hatte geradezu Mozartsches Flair, die Walzerfolge schmückte der Dirigent mit allerfeinsten Rubati, die Melodien hatten Schmelz – ein purer Genuss.

Und im Dreiertakt ging es weiter, nämlich mit Schönbergs Klavierkonzert, das mit großer Wahrscheinlichkeit eine Göttinger Erstaufführung war. Mueller gab seinem Publikum eine komprimierte Einführung mit Live-Hörbeispielen, wobei er die Reihentechnik bildhaft mit der Abfolge der Schweizer Berge Mönch, Eiger und Jungfrau illustrierte. Die kann man nämlich von rechts nach links oder von links nach rechts anschauen – und wenn sich die Gipfel im Bergsee spiegeln, hat man auch noch die Umkehrung. Sehr einleuchtend.

Derart vorbereitet, konnte man die emotionalen Qualitäten dieser Musik sehr deutlich wahrnehmen. Die vier Abschnitte des Konzerts beschreiben Schönbergs Biografie in vier Stationen: zuerst die vom schwingenden Dreiertakt charakterisierte Unbeschwertheit der jungen Jahre, dann der Ausbruch des Hasses in der Judenverfolgung, im langsamen Satz die schwere Entscheidung, ins Exil zu gehen, um schließlich im Schlussteil unter dem Motto „Das Leben geht weiter“ die wiedergewonnene Normalität seiner Existenz in den USA zu beleuchten. Diese Gefühlswerte waren unschwer in der Musik zu erkennen, die ein Netz vielfältiger Beziehungen knüpft und alles sehr konzentriert auf den Punkt bringt.

Allen Kompliziertheiten der Partitur zum Trotz sorgte Mueller stets für einen glasklar-transparenten Orchesterklang. Und damit war er der perfekte Partner für den überwältigenden Solisten, den 1985 in Nizza geborenen Pianisten David Kadouch. Dieser Musiker hat eine reiche Fülle von Anschlagsnuancen parat, er kann hier schwerelose Arabesken einwerfen, dort mit vollgriffigem Spiel starke Pfeiler setzen, dann wieder die Hörerohren mit schmeichelnd-zärtlichen Tönen streicheln, um sie im nächsten Moment mit einer keck auftrumpfenden Phrase zu überraschen. Kadouchs Technik ist makellos, seine Fähigkeit des singenden Spiels frappierend.

Dementsprechend begeistert war das Publikum, was angesichts einer im Konzertsaal eher ungewohnten Zwölftonkom­position beileibe nicht zu erwarten war. Kadouch bedankte sich mit Skrjabins Walzer op. 38 als Zugabe.  Die gleiche Begeisterung brandete noch einmal am Schluss des Abends auf: nämlich nach Beethovens 7. Symphonie, mit der Mueller dieses Konzert grandios rundete. Voller Temperament gestaltete er die Partitur, spannungsreich in den Steigerungen, frisch in den Tempi, die gleichwohl nirgends überhastet waren. Sein Orchester folgte mit großer Konzentration und heller Musizierfreude, die Streicher waren wunderbar homogen, die Holzbläser lieferten solistische Kabinettstücke. Ein großartiger Abend.

Am Donnerstag, 12. März, setzt das GSO seine Reihe „Wiener Klassik“ unter dem Motto „Der Weg in die Romantik“ in der Aula der Universität fort. Dirigent ist Christoph-Mathias Mueller, das Konzert beginnt um 19.45 Uhr.

Von Michael Schäfer

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