Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Göttinger Symphonie-Orche­ster spielt „Wiener Klassik“

Salieri, Hummel und Kalliwoda Göttinger Symphonie-Orche­ster spielt „Wiener Klassik“

Auf Entdeckungstour sind derzeit die Göttinger Konzertveranstalter. Eine Erstaufführung jagt die andere. Nun hat sich noch einmal das Göttinger Symphonie-Orche­ster (GSO) daran beteiligt – mit Werken, die fast 200 Jahre auf dem Buckel haben, hier aber noch nie erklungen sind.

Voriger Artikel
Hochstimmung mit Riders Connection im Kulturclub Apex Göttingen
Nächster Artikel
Premiere von Andrew Bovells „Das Ende des Regens“ am Deutschen Theater Göttingen

Virtuoser Solist: der Fagottist Ömür Kazil.

Quelle: Schäfer

Göttingen. Musik von Salieri, Hummel und Kalliwoda stand auf dem Programm des dritten und letzten Abends der diesjährigen „Wiener Klassik“-Reihe in der gut besuchten Universitätsaula, klug und unterhaltsam moderiert von Dorothea Schröder.

Ein populäres Thema eröffnete das Konzert, die „Follia di Spagna“, die der Wiener Mozart-Zeitgenosse Antonio Salieri 1815 zum Anlass einer Variationsreihe für Orchester gewählt hat. Arcangelo Corellis barocke Follia-Variationen sind geläufig, doch was der Wiener Klassiker Salieri daraus gemacht hat, ist ganz anders und einzigartig: ein virtuoses Paradestück für Orchester, in dem zahlreiche Musiker solistisch ihre Künste vorführen können.

Dazu bietet es ungewöhnlich starke dynamische Kontraste, neuartige Klangfarbenmischungen und vieles andere mehr. Hervorgehoben seien die hochartistischen, blitzsauberen Violinsoli des Konzertmeisters Bartosz Zachłod und die zart-präzise rauschenden Harfenpassagen von Katharina Steinbeis, um nur zwei Beispiele zu nennen.

Virtuoser Solist

Gastdirigent Igor Budinstein, zuletzt 2013 ebenfalls in der „Wiener Klassik“-Reihe am Pult des GSO, arbeitete die Kühnheiten dieser Partitur fein heraus und war anschließend ein aufmerksamer Partner des Solisten Ömür Kazil im Fagottkonzert von Johann Nepomuk Hummel. Kazil, seit 2003 Solofagottist des GSO, ist eine Idealbesetzung für diesen anspruchsvollen Part.

Ihm gelang das Kunststück, auch die schweißtreibendsten Läufe und Sprünge – das um 1810 entstandene Konzert ist geradezu ein Drahtseilakt – mit einer Leichtigkeit zu präsentieren, als machten sie überhaupt keine Mühe. Wunderschön rund war sein Ton, singend, strahlend, weich und nuancenreich.

Der laut prasselnde, von begeistertem Trampeln untermischte Beifall wollte kaum enden. Kazil bedankte sich mit einem Satz aus einer Bachschen Cello-Suite als Zugabe.

Und auch das Finale des Abends, die 1835 komponierte vierte Symphonie von Johann Wenzel Kalliwoda (um die Mitte des 19. Jahrhunderts Hofkapellmeister in Donaueschingen), war ein sehr hörenswertes Fundstück, einfallsreich, mit überraschendem Witz, rhythmischer Energie, ansteckendem Temperament. Sehr klangschön das Cello-Solo in der Romanze, empfindsam gespielt von Zherar Yuzengidzhyan.

Die GSO-Musiker unter der energischen Führung von Budinstein – der freilich dann und wann angesichts der vergleichsweise geringen Größe des Saales die Lautstärke etwas hätte dämpfen können – legten sich mächtig ins Zeug, musizierten mit Schwung, Präzision und in bester Spiellaune. Ein prächtiger Abend.

Von Michael Schäfer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff