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Göttinger Symphonie-Orchester und Cecile van de Sant begeistern

Wagemutiges Programm Göttinger Symphonie-Orchester und Cecile van de Sant begeistern

Bravorufe, lautstarke Begeisterung: Immer wieder forderte das Publikum am Freitag am Ende des Konzerts mit dem Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) den Dirigenten Christoph-Mathias Mueller auf die Bühne. Und das nach einem extrem wagemutigen Programm, das den drei Komponisten der Wiener Schule gewidmet war, nämlich Alban Berg, Anton Webern und Arnold Schönberg.

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Quelle: Heller

Göttingen. Mit den Sieben frühen Liedern von Alban Berg eröffnete Mueller das außergewöhnliche Konzert. Als Solistin hatte er die Mezzosopranistin Cécile van de Sant engagiert, dem Göttinger Publikum schon seit ihrem hiesigen Debüt beim Händel-Fest 1999 bekannt. Mit ihrer großen, geschmeidigen, klug geführten Stimme lotete sie den Ausdrucksgehalt dieser farbig-expressiven Fin-de-Siècle-Musik bis in die feinsten Nuancen aus. Die vielfältig differenzierten Klangfarben arbeitete Mueller mit dem Orchester präzise aus und war dabei stets ein aufmerksamer Partner der Sängerin.

Der zweite Gesangsbeitrag der Solistin war Alban Bergs Konzertarie „Der Wein“, auf die Mueller das Publikum mit klug ausgewählten Live-Hörproben vorbereitete. Hier konnte sich Cécile van de Sant wunderbar sängerisch entfalten und überzeugend vorführen, dass sich Zwölftontechnik und Sanglich­keit in keiner Weise ausschließen. Zumindest dann nicht, wenn Berg der Komponist ist. Die Intensität des Ausdrucks, mit der die Solistin und das Orchester sich hier präsentierten, zog die Zuhörer geradezu magisch in den Bann.

Zwischen die beiden vokalen Programmpunkte hatte Mueller eine Bach-Bearbeitung von Anton Webern gestellt, die orchestrierte Fassung des sechsstimmigen Ricercars aus dem „Musikalischen Opfer“. Die enge Verwandtschaft zwischen dieser fein ausgehörten Klangfarbenmusik und dem gerade gehörten Bergschen Orchesterklang war verblüffend. Darüber hinaus macht Webern mit seiner Bearbeitung motivische Beziehungen in Bachs Musik hörbar, die im barocken Original zwar vorhanden, aber nicht leicht erkennbar sind. Dass Weberns Bach-Bild zudem noch durchaus romantische Züge besitzt, zeigt sich in der Dynamik und in den flexiblen Tempovorschriften, die Mueller mit seinen hochkonzentrierten Instrumentalisten präzise befolgte.

Krönender Abschluss dieses spannenden Abends war Schönbergs Orchesterfassung des Klavierquartetts g-Moll op. 25 von Johannes Brahms: ein Kammermusikwerk, das sich mit den an Brahms orientierten Orchesterfarben tatsächlich in eine ausgewachsenen Symphonie verwandelt. Der ungewöhnlich schwierigen Partitur nahmen sich die GSO-Musiker mit Enthusiasmus an und zündeten im ungarisch gefärbten Finale ein wahres Feuerwerk an Temperament und Virtuosität. Ein ganz großer Abend.

Von Michael Schäfer

Am Sonntag, 5. Juli, beendet das GSO die Saison mit Serenaden von Karłowicz und Mozart. Beginn ist um 19.45 Uhr im Deutschen Theater, Theaterplatz 11.
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