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Göttinger Symphonie-Orchester unterwegs auf China-Tournee

Sechs Konzerte in zwölf Tagen Göttinger Symphonie-Orchester unterwegs auf China-Tournee

Seit zehn Jahren fährt jedes Jahr ein Top-Orchester zu einer Tournee nach China. Finanziert wird die Reise von einem chinesischen Konzern. Eine Einladung erhielten bislang Klangkörper wie das London Philharmonic Orchestra, Orchester also, die in der Weltliga spielen. In diesem Jahr hat das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) die Einladung erhalten. Heute erreichen die Göttinger Musiker, die sich zahlenmäßig ein wenig verstärkt haben, das Reich der Mitte.

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Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller.

Quelle: Heller

Göttingen/Shanghai. Innerhalb von zwölf Tagen geben sie sechs Konzerte an drei Orten: in Dalian, Wuhan und Shanghai. Am 23. Dezember wird die eine Hälfte des Orchesters wieder in Göttingen erwartet, die andere Hälfte kommt am Heiligen Abend zurück.

GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller nennt diese Tournee mit einigem Understatement „eine tolle Sache“. Zustande sei die Tour gekommen durch einen persönlichen Kontakt, erklärt Mueller. Eine Chinesin, die Konzerte organisiert und mit ihm in den USA studierte, hatte sein Orchester ins Spiel gebracht. Allerdings sei schon ein Leistungsnachweis gefordert gewesen.

Zum einen habe geholfen, dass das Orchester „Träger einer deutschen Tradition“ sei. Zum anderen war da aber noch die CD, die das GSO mit dem Trompeter Reinhold Friedrich einspielte und die mit dem Echo Klassik geadelt wurde.

Logistisch sei das Vorbereiten der Tournee eine große Aufgabe gewesen, denn die chinesische Bürokratie sei nicht eben flexibel. „Man muss viel verhandeln“, sagt Mueller. Das allerdings hatte ein erfahrene Agentur übernommen. Denn: „Wir haben die Erfahrung nicht für eine solche Reise“, sagt Mueller.

Ausfuhr muss vorbereitet werden

Dokumente für die Instrumente mussten beschafft werden, die nicht nur ihre Einfuhr  nach China möglich machten. Auch die reibungslose Ausfuhr muss bereits im Vorfeld sauber vorbereitet werden.

Doch nicht alle Instrumente konnten die weite Reise antreten. Kontrabässe und Pauken hätten nicht transportiert werden dürfen, was ein weiteres Problem schaffte. Für die Konzerte sei der Einsatz von fünfsaitigen Kontrabässen zwingend notwendig, erläutert Mueller. Also wurde recherchiert und festgestellt: In ganz China existieren nur 15 dieser Instrumente, die zu mieten sind.

Damit allerdings war das Problem gelöst. Ein anderes kostete vor allem Geld. Cellisten durften ihre Instrumente mitnehmen, doch nicht im Frachtraum des Flugzeuges. Für die Celli wurde jeweils ein Fensterplatz in der Maschine gebucht.

Auch das Beschaffen der Visa erwies sich als nicht ganz einfach. Immerhin arbeiten Musiker aus 20 verschiedenen Nationen im GSO. Und sollte von denen unterwegs jemand erkranken? Auch für diesen Fall ist vorgesorgt. Chinesische Musiker springen ein.

„Das musste von ganz oben abgesegnet werden“

Etwa ein Jahr haben die Vorbereitungen gedauert. „Wir glauben, dass sich der Aufwand gelohnt hat“, sagt Mueller. Und das bezieht sich weniger auf das Freizeiterlebnis für die Musiker. „Wir wohnen in den besten Hotels der jeweiligen Städte. Aber Sightseeing wird nur sehr eingeschränkt möglich sein.“ Profimusiker müssen sich fit halten und täglich üben.

Das letzte Konzert in China spielt das GSO übrigens für geladene Gäste des VW-Konzerns. „Das musste von ganz oben abgesegnet werden“, erklärt Mueller, von Ferdinand Piëch, Vorsitzender des Aufsichtsrates der Volkswagen AG. Der stimmte zu, eine weitere Auszeichnung für die Göttinger Symphoniker.

Und dann kommt Mueller doch noch auf die wirkliche Bedeutung der Reise zurück: „Das ist eine phantastische Chance für das Orchester, Göttingen und Niedersachsen zu repräsentieren“, sagt er. Und: „Wir befinden uns mit den anderen Orchestern, die diese Tournee bereits unternommen haben, in einer sehr guten Gesellschaft.“

Programm in China

Romantische Musik aus Deutschland und ein zeitgenössisches Werk aus China: Mit diesem Programm ist das GSO in China unterwegs. Eröffnet werden die Konzerte mit Carl Maria von Webers jubelnder „Euryanthe“-Ouvertüre, gefolgt von Auszügen aus Engelbert Humperdincks Märchenoper „Hänsel und Gretel“, deren Stoff in China gewiss eine ähnliche Popularität genießt wie in Deutschland.

Unterhaltsam und schwungvoll geht es mit drei ungarischen Tänzen von Johannes Brahms weiter, dessen friedlich-pastorale zweite Symphonie D-Dur das Konzert beendet.

Vor der Brahms-Symphonie erweist das GSO mit der Aufführung des Orchesterstücks „The Sound of Yida“ des chinesischen Komponisten Tang Jianping seine Reverenz. Tang Jianping, geboren 1955 in Liaoyun, einer Stadt in der im Nordosten Chinas gelegenen Provinz Jilin, ist der erste ausschließlich in China ausgebildete Student mit akademischem Abschluss im Fach Komposition.

Neben seiner Arbeit als Komponist ist Tang Vorsitzender der Abteilung für Komposition am Zentralen Konservatorium, Mitbegründer der Chinese Folk Orchestra Society, künstlerischer Leiter der China Symphony Development Foundation, Direktor des Chinese Opera Research Institute, ein passionierter Forscher auf dem Gebiet der ethnischen Musikologie und beliebter Doktorvater vieler Promovenden. Tangs Musik ist mit zahlreichen nationalen Preisen ausgezeichnet worden.

Mueller blogt
Christoph-Mathias Mueller, Chefdirigent des Göttinger Symphonie-Orchesters, wird in einem Blog seine Eindrücke aus China, von den Menschen, aus den Städten und den Konzerten schildern. Der renommierte Fotograf Ingo Bulla begleitet die Tournee und steuert aktuelle Bilder für den Blog bei.

Von Peter Krüger-Lenz und Michael Schäfer

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