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Göttinger Theater im OP mit „Hautnah“ im [dots]

Patrick Marber Göttinger Theater im OP mit „Hautnah“ im [dots]

Die neue Produktion des Göttinger Theaters im OP ist angelaufen, das Bühnenstück „Hautnah“ von Patrick Marber unter der Regie von Thomas Löding. Spielort ist das [dots] im Börnerviertel.

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Lena Aust als Alice und Luke Slager als Dan.

Quelle: EF/Opitz

Göttingen. Ein Autor, eine Stripperin, ein Arzt, eine Fotografin: Vier Menschen, die leidenschaftlich lieben und lustvoll lügen. Sich unverblümt die Wahrheit sagen und offen betrügen. Ein Stück über das abgründige Spiel von Menschen, die sich nach Sex und Geborgenheit zugleich sehnen.

 

Der Autor Dan (Luke Slager) lernt durch Zufall die Stripperin Alice (Lena Aust) kennen, und die beiden werden ein Paar. In einem Sex-Chatroom lernt Dan unter falscher Identität den Arzt Larry (Jörg Bauer) kennen und verleitet ihn zu einem Date mit der Fotografin Anna (Anja Marszalek). Die beiden werden ein Paar und heiraten. Während einer Fotoaustellung von Anna flirtet sie mit Dan, dessen Freundin Alice wiederum Larry kennenlernt.

 

Im Laufe mehrerer Jahre wechseln die Paar-Konstellationen. Die Protagonisten versinken zunehmend in einem Strudel aus Begehren, Sex und Verzweiflung, Eifersucht, Lügen und Verrat. Die vier Personen begegnen ihrer eigenen Fremdheit und bleiben sich in ihrer Kompromisslosigkeit untereinander doch nur fremd. Das Scheitern ist programmiert. Letztlich gibt es nur Verlierer.

 

Das Erfolgsstück „Hautnah“ von Theater- und Drehbuchautor, Schauspieler und Comedian Patrick Marber wurde 1997 uraufgeführt und weltweit gespielt. Große Bekanntheit erlangte „Closer“ in der Oscar-nominierten Verfilmung von Mike Nichols aus dem Jahr 2004, die Hauptrollen spielten Julia Roberts, Jude Law, Natalie Portman und Clive Owen.

 

Zunächst gibt es viel zu lachen für die rund 40 Premieren-Zuschauer. Doch die komödiantischen Passagen des Bühnenstücks kippen zunehmend ins Melodramatische. Die Sprache ist sexuell aufgeladen und sehr deutlich. Auf Flirtereien und Geplänkel folgen Steitereien und Handgreiflichkeiten. Die Spannungen steigen. Die Luft wird emotional immer dünner. Ein dickes Brett, das es zu Bohren gilt für das Ensemble.

 

Die 120-minütige Inszenierung ist klar strukturiert und temporeich. Eine schöne Idee ist dabei, die Orte an denen die zwölf Szenen spielen, jeweils beim Szenenwechsel mit Kreide an die schwarze Bühnenwand im Kellerraum des [dots] zu schreiben. Die Kellertreppe wird clever mit bespielt. Zwei schwarze Holzboxen sind das Mobiliar, Stühle, Tisch, Bett.

 

Die vier Darsteller spielen gut zusammen. Lena Aust besticht mit ihrer Koketterie. Luke Slager nimmt souverän über weite Strecken für sich ein. Einige ruhigere Momente zum gezielten Spannungsaufbau hätten der insgesamt sehenswerten und dichten Inszenierung gut getan. Hochachtung für das sympathische Ensemble, gegen die Dunkelheit des Raumes und die stark blendende Beleuchtung so sicher anzuspielen. Viel Applaus.

 

Weitere Vorstellungen: 21. (ausverkauft), 23., 24., 26., 28., 29. und 30. September sowie 3.Oktober, um 20.15 Uhr im [dots], Barfüsserstraße 12-13. Karten im Vorverkauf unter Telefon 0551 / 39 70 77, per E-Mail theaterkarten@gmail.com.

 

Von Karola Hoffmann

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