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Göttinger Theatertage: Jaap Achterberg erzählt eine Novelle von Uwe Timm

Von Lügen und Curry in Kriegstagen Göttinger Theatertage: Jaap Achterberg erzählt eine Novelle von Uwe Timm

Jaap Achterberg hat bei den Göttinger Theatertagen am Sonnabend „Die Entdeckung der Currywurst“ mit feiner, vielsagender Gestik und einer so einfachen wie gelungenen Dramaturgie erzählt. Fast schien es, als liege der Duft von Curry in der Luft im Deutschen Theater.

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Jan Achterberg

Quelle: Heller

Göttingen. Es gelingt ihm, Bilder vom regnerischen Hamburger Hafen, von kriegszerstörten Stadtansichten, von kleinen Verhältnissen in den letzten Kriegstagen 1945 entstehen zulassen. Er schafft es, Lena Brücker als junge und alte Frau darzustellen.

 

Es geht auch um die Gewürzmischung, aber noch mehr um eine Zufallsbekanntschaft in den letzten Kriegstagen. Damit beginnt die Novelle in sieben Kapiteln  von Uwe Timm: Der hat mit „Die Entdeckung der Currywurst“ über seine Geburtsstadt Hamburg geschrieben. Über die patente Lena Brücker, ihre 24-tägige Beziehung zu dem jungen Marinesoldaten Bremer, der in Brückers Wohnung das Kriegsende nicht mitbekommt, weil Brücker ihn im Glauben lässt, der Krieg sei noch nicht vorbei.

 
Achterberg schlüpft in die Rolle des Ich-Erzählers, der die Frau, die jahrelang eine Imbissbude am Hamburger Großmarkt betrieb, im Altersheim besucht. Dass Brückers Verkaufsstand gut lief, lag an ihrem in den ersten Nachkriegstagen aus Zufall und Mangel entstandenen Rezept der Currywurst. Und nun nimmt sie sich Zeit, davon zu erzählen.

 
Der aus den Niederlanden stammende und in der Schweiz lebende Schauspieler Achterberg (62) variiert hervorragend. Damit hat er, als es 2012 das Innenhoftheater-Festival in Göttingen noch gab, dort auch mit „Der alte König in seinem Exil“ von Arno Geiger beeindruckt.

 
Dabei sitzt Achterberg nun auf der DT-Bühne anderthalb Stunden an einem schlichten Tisch - und bringt doch viel Bewegung in sein Erzähltheater. Lebhaft und impulsiv stellt er die einstige Zweckbeziehung dar. Gibt den einzelnen Personen ein klares Format, das er immer wieder schnell verlässt, um ein anderer Charakter zu sein. Wenn er als Blockwart gedröhnt hat, zuckt er gleich danach als Deserteur im Versteck zusammen; eben noch hat sich Lena Brücker über einen Schwarzmarkt-Handel gefreut, nun verzweifelt sie, weil er verloren scheint - aber dabei entdeckt sie die Gewürzmischung für die Soße und die Currywurst, die ihre Wurstbude bekannt machen wird. Das alles verkörpert Achterberg, von alledem erzählt er so lebhaft, dass davon Bilder entstehen, dass die erscheinen, von denen er erzählt. So muss Erzähltheater sein.

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