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Graben im persönlichen Feld der geschichteten Moderne

Frank Werger stellt im Künstlerhaus Göttingen aus Graben im persönlichen Feld der geschichteten Moderne

Die Spur, die Frank Werger zieht, besteht aus Zeichen, sie zieht sich von weit her durch verschiedene Ebenen, Schichten von Sand, Geröll, Fundstücken und ihr Anfang mag längst nicht mehr auszumachen sein. Einige Stöcke liegen am Wegesrand, aber auch Gold könnte man finden, vielleicht.

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Maler und Buchillustrator: Frank Werger.

Quelle: CR

Göttingen. Zunächst aber beginnt es profan: Ein zerrissener Schnipsel einer Verlagsanstalt, ein Erratum vermutlich, teilt mit: „Bei den Fragen 1,2,4 und 6 ist der Zusatz „und Kraftfahrstraßen“ zu streichen“. Die collagierten Stücke werden von weiteren, allerdings unlesbaren, begleitet. Sie sind mit Farbe überdeckt, eingewachsen in die Oberfläche der Malerei, die sich wiederum aus vermeintlich Zeichenhaftem, Schlangenlinien auf wechselndem Grund, generiert. Darunter, Schicht um Schicht, Gestaltgebendes, Palimpsestartiges, gereinigt, überlagert, frei liegend und doch längst verschwunden. Erdig bearbeitet wirken die grauen, dunkleren Teile der Bilder, andernorts flirren Rot- und Magentatöne umeinander, umgibt sich Aprikose mit Orange an Sand.

Mit weniger Heftigkeit als Tapies, mit weitaus mehr Ordnung als Twombly, mit weniger Fundsachen als Dadaisten oder Kubisten gräbt Werger nicht nur in der Kunst der Moderne, sondern auch in einem ganz persönlichen Feld, so scheint es. Er spachtelt und malt, holt hervor und überklebt, arbeitet orientiert an Material und Form, komponiert dabei klassisch. Und ganz nebenbei zeigt er noch eine ganz andere, zweite Seite seines Schaffens.

Eine Mischung aus Kuh, Pferd und vielleicht Nilpferd ist es, die den liebevollen Buchillustrator verrät, die dabei in 36 fein variierten aquarellierten Zeichnungen daherkommt und den Betrachter glauben macht, sie sei „DAS Tier“. Es hat diese tierischen Eigenschaften, das Muster wechseln zu können beispielsweise oder im Nebel zu verschwinden, zu lesen, zu tanzen, einarmigen Handstand zu machen, Geige zu spielen und sich krachend auf das Instrument und den Bogen setzen zu können. Es kann sich freuen und sagt zum  Schluss, kurz bevor es sich umdreht und verschwindet: „Ich kann dich suchen.“ Jeder dürfte froh sein, von diesem süßen, netten Tier, von dem man wünscht, es gebe es neben Hasen, Igeln und Löwen, gefunden zu werden.

Die Ausstellung ist bis zum 14. Oktober dienstags bis freitags von 16 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 13 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen.

Von Tina Lüers

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