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Graphic Novel „Der Traum von Olympia“ in Göttingen vorgestellt

Strenge schwarz-weiße Ästhetik Graphic Novel „Der Traum von Olympia“ in Göttingen vorgestellt

Gezeichnete Romane, Graphic Novels, nehmen in Deutschland eine erfreuliche Entwicklung. FAZ-Redakteur Andreas Platthaus registriert steigende Qualität und Resonanz dieses Genres, das in Deutschland noch um seinen Platz im Kulturbetrieb kämpft.

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Szene auf dem Schlauchboot, mit dem Samia und viele andere versuchen über das Mittelmeer zu gelangen.

Quelle: EF

Göttingen. Mit Reinhard Kleist war am Mittwoch einer der besten deutschen Künstler dieser Zunft im Literarischen Zentrum zu Gast. Er stellte im Gespräch mit Platt­haus sein neustes Buch „Der Traum von Olympia“  über das Schicksal der somalischen Läuferin Samia Yusuf Omar vor.

Kleist hat Grafik und Design studiert und zunächst meist fremde Geschichten illustriert, bevor er sich entschied selbst Autor zu werden. Der Erfolg gibt ihm recht. Inzwischen hat er mehrere hochgelobte Biografien vorgelegt, die erste über den Musiker Johnny Cash. Die strenge schwarz-weiße Ästhetik, die Kleist meist für seine Zeichnungen wählt, passte da natürlich besonders gut. Seine Biografie „Der Boxer“ über den jüdischen Sportler Hertzko Haft wurde 2013 mit dem deutschen Kinder- und Jugendbuchpreis ausgezeichnet.

In „Der Traum von Olympia“ widmet er sich dem Schicksal der afrikanischen Flüchtlinge, die übers Mittelmeer nach Europa gelangen wollen. Ein Studienaufenthalt in Sizilien habe ihn darauf aufmerksam gemacht, erzählt Kleist. Dort sei er vielen Flüchtlingen begegnet, habe viele tragische Geschichten gehört. Entschieden hat er sich für das Schicksal der Läuferin Samia Yusuf Omar. Die emotionale Wucht dieser kurzen Lebensgeschichte habe ihn gefesselt.

2008 tritt die junge Frau dank eines Jugend-Förderprogrammes bei den olympischen Spielen an. In einfachem T-Shirt und Turnschuhen wird sie letzte ihres Vorlaufes, erhält aber den meisten Beifall. „Einer dieser magischen Momente Olympias“, so Kleist. Omar will unbedingt  2012 wieder kommen und dann gewinnen. In Somalia aber ist ein Training kaum möglich. Der Bürgerkrieg hat Mogadischu zerstört, in der Olympia-Mannschaft dürfen keine Frauen trainieren. Samia beschließt zusammen mit ihrer Tante Mariam nach Europa zu fliehen. Bei dem Versuch das Mittelmeer zu überqueren stirbt sie.

Über ihre monatelange Flucht berichtet Kleist. Akribisch hat er recherchiert. Dann folgte die Zeichenarbeit. „Ich zeichne immer auf großen Bögen, dann tusche ich. Erst dann werden die Bögen eingescannt und der Feinschliff erfolgt am Computer“ erzählt er von seiner Arbeitsweise. Platthaus ist begeistert von der Seitenarchitektur: „so unheimlich abwechslungsreich.“ Wie Kleist seine Geschichten rhythmisiert?  Er habe sich hier größere Freiheiten eingeräumt. Bewusst habe er sich entschieden, Passagen dazwischen zu haben, in denen nicht allzu viel passiert. Schließlich habe Samia auch extrem viel Zeit mit Warten verbracht.

Er habe ein ruhiges Leseempfinden schaffen wollen, so Kleist. Und außerdem habe er der Geschichte so mehr Tiefe geben wollen. Das ist ihm in der Tat gelungen. Kleists Buch ist ein bewegender, klug erzählter Beitrag zu einem hochaktuellen Thema.

Reinhard Kleist: Der Traum von Olympia, Carlsen Verlag, 152 Seiten, 17,90 Euro.
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