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Grass-Archiv in Göttingen eröffnet

Fundgrube für Forscher Grass-Archiv in Göttingen eröffnet

Es ist das älteste Haus Göttingens und eines der ältesten in Deutschland, sagt Claudia Glenewinkel, Sprecherin des Steidl-Verlags. Das haben nach ihren Angaben die Restaurierungsarbeiten in dem Gebäude neben dem Verlagshaus in der Düsteren Straße ans Licht gebracht. Am Freitag ist es nach Abschluss der Arbeiten eröffnet worden. Jetzt beherbergt es das Archiv des im April gestorbenen Literaturnobelpreisträgers Günter Grass, der die Idee noch zu Lebzeiten mit seinem Verleger Gerhard Steidl entwickelte.

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Das Gebäude neben dem Haus des Steidl-Verlags an der Düsteren Straße in Göttingen beherbergt jetzt das Grass-Archiv (links).

Quelle: Heller

Göttingen. Aus dem Bücherturm, der im Inneren des historischen, weitgehend entkernten Gebäudes stehen sollte, ist nichts geworden. „Das Gebäude stellt sich selbst aus“, erklärt Glenewinkel, das hätte der Turm nur verstellt. Gestützt werden Wände und Dach von einem Gerüst aus Stahlträgern. In der Mitte des Gebäudes ist eine Feuerstelle zu erkennen – „aus dem Jahr 1310“, erläutert Jörg Hartmann, kaufmännischer Leiter des Verlages „und bauinteressiert“, wie er sagt.

Zu sehen sind an den Wänden jetzt beispielsweise Reste barocker Tapeten, Lehm aus der Frühzeit des Hauses und Löcher, die Mäuse in die Lehmschicht in den Gefachen gefressen haben. Münzen und ähnliches hätten sie dort gefunden, sagt Glenewinkel. Derzeit ist noch jeder überraschende Fund mit einer Nummerntafel gekennzeichnet.

Über 45 Quadratmeter Grundfläche verfügt das Haus, ebenso viel umfasst die Nutzfläche eines Anbaus, der sich nach hinten anschließt. Hier sollen Forscher das graphische, zeichnerische und auch literarische Werk, das Steidl während der Arbeit mit Grass zusammentrug, archivieren und natürlich auch befragen. Gelagert werden die Archivalien in einem Kellerraum, der sich komplett unter dem neuen Anbau erstreckt.

Ausstellung zeigt Grass’ Arbeitsweise

Im Erdgeschoss des Anbaus sind zu Beginn 58 Originalblätter zu sehen, die Grass im Zusammenhang mit seinem letzten Buch „Vonne Endlichkait“ zeichnete. Bis drei Tage vor seinem Tod hatte Grass daran gearbeitet. Auch Scans von den Texten sind dort ausgestellt. Deutlich wird Grass’ Arbeitsweise, der zweimal von Hand vorschrieb, bevor die Wörter mit der Schreibmaschine zu Papier gebracht wurden. Künftig sollen hier auch andere Künstler ausstellen, wenn ihr Werk denn mit Büchern oder Papier in Verbindung steht. Zwei große Namen sind auf der grob datierten Ausstellungsliste schon zu lesen: Im September und Oktober 2015 soll Jim Dine im Grass-Haus Werke präsentieren und von September bis Dezember 2016 Richard Serra.

Am Sonntag wird das letzte Buch von Günter Grass – „Vonne Endlichkait“ – im Deutschen Theater, Theaterplatz 11, um 11 Uhr vorgestellt. Ute Grass, die Witwe des Literaturnobelpreisträgers, wird daraus lesen. Grass’ Weggefährte, der Schlagzeuger Günter „Baby“ Sommer begleitet Klaus Wettig, der mit Schauspielern des Theaters den politischen Grass aufleuchten lassen will. Der Literaturwissenschaftler Heinrich Detering führt in die lustvoll-melancholischen Bild- und Textwelten von Grass ein. Kartentelefon: 05 51 / 49 69 11.

Das Grass-Archiv, Düstere Straße 6, wird am Freitag,12., Sonnabend, 13. und Sonntag, 14. Juni, von 12 bis 17 für Besucher geöffnet sein.

Foto: Heller

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