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Grass-Novelle feiert Premiere im Jungen Theater Göttingen

Kultur Grass-Novelle feiert Premiere im Jungen Theater Göttingen

Die neue Spielzeit im Jungen Theater steht unter dem Motto „Als wir träumten“ . Mit „Katz und Maus“ nach der Novelle von Günter Grass feiert das Theater eine gelungene Premiere.

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Linda Elsner (von links), Eva Schröer, Karsten Zinser, Peter Christoph Scholz und Jan Reinartz bei "Katz und Maus" im Jungen Theater Göttingen.

Göttingen. In der Bühnenfassung von Mario Portmann, inszeniert von JT-Intendant Nico Dietrich, nimmt sich die fünfköpfige Schauspieltruppe mit vollem Körpereinsatz und jeder Menge Charisma dem Werk an.

Mit seiner herausragenden Leistung und enormen Ausdrucksstärke bildet Schauspieler Jan Reinartz das Herz dieser Inszenierung. In der Rolle des alten Pilenz blickt er auf seine Schulzeit und seinen eigentümlichen Schulkameraden Mahlke zurück. Wie ein Erzähler kommentiert er das Geschehen, ist jedoch gleichzeitig Teil der Handlung. Mit behutsamen, unaufgeregten Gesten und einem stets verschmitzten Grinsen zieht Reinartz das Publikum in seinen Bann. Er ist alt und jung, innerhalb und außerhalb des Geschehens zugleich und hält die kleine Gruppe auf der Bühne stets beisammen.

Das Zusammenspiel der Schauspieler funktioniert vortrefflich. Linda Elsner verkörpert den von seinen Mitschülern zunächst verlachten, später jedoch bewunderten Joachim Mahlke. Er verlangt einzig nach Anerkennung und der Jungfrau Maria. Immer wieder kniet Elsner schlagartig mit gläsernem Blick zum Beten nieder und scheint sich dabei völlig von der Umgebung loszulösen. Die Worte des Stabat Mater sprudeln aus ihr nur so heraus. Auch durch ihre Körpersprache wird deutlich, dass Mahlke schlichtweg anders ist. Er ist angestrengter, ehrgeiziger, verbissener als seine Mitschüler. Diesen Gegenpol, wie auch weitere kleine Nebenrollen, verkörpern Eva Schröer, Peter Christoph Scholz und Karsten Zinser. Laut und impulsiv, als fest verschworene Einheit piesacken und bewundern sie den Außenseiter. In der Rolle der durchtriebenen Tulla sticht Schröer aus diesem Trio hervor.

„Katz und Maus“ offenbart unzählige Emotionen. Egal ob Neid, Ehrgeiz, Unsicherheit oder Neugierde, jeder der fünf Schauspieler weiß sie gekonnt darzustellen. Auch den für Grass so typischen, überaus provokanten, sexuell geladenen Momenten, geben sie sich hemmungslos hin. Vom Streben ihrer Figuren nach Anerkennung angetrieben laufen die Schauspieler schließlich auch zu sportlichen Bestleistungen auf. Die Bühne wird zur Turnhalle. Sie springen über Kästen, machen Saltos und haben sich den Zwischenapplaus allein für diese Vorstellung bereits verdient.

Dietrich gelingt  es mit seiner Inszenierung ohne übertriebenes Bühnenbild, dafür aber mit umso mehr Ausstrahlung der Darsteller die vielschichtige Vorlage zum Leben zu erwecken. Dem Motto „Als wir träumten“ wird sie vollkommen gerecht.

Nächste Vorstellungen: 22., 26. und 30. September jeweils um 20 Uhr.

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Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr