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Große Giuseppe-Verdi-Nacht ohne Christian Lanza

Startenor erkrankt Große Giuseppe-Verdi-Nacht ohne Christian Lanza

Groß und schön soll’s sein: eine „große Giuseppe-Verdi-Nacht“ mit dem „Allerschönsten aus der unerschöpflichen Fülle“ der „unsterblichen Musik“ des „genialen italienischen Komponisten“. Mit diesem „ganz besonderen Geschenk“ tourt Cristian Lanza, Enkel des Sängers Mario Lanza, durch die Lande.

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Lauthals: Bariton Giulio Boschetti, hier mit Sopranistin Silvia Rampazzo.

Quelle: Heller

Göttingen. Das tat er Anfang 2014, das tut er auch im Januar und Februar 2015 mit 36 Auftritten in 40 Tagen in Deutschland und Dänemark. Gerade mal vier freie Tage hat sein Tourneeplan für ihn parat, bis am 18. Februar ein Konzert in der Münchner Philharmonie den Schlusspunkt setzt.

Das Konzert am Sonntagabend in der etwa halb gefüllten Göttinger Stadthalle war die zweite Station dieser Tour – und unfreiwillig ein zusätzlicher freier Abend für den selbsternannten Startenor. Denn er war, so die leicht slawisch eingefärbte Ansage, so grippekrank, dass er nicht auftreten konnte. „Ein Mensch ist keine Maschine“, fügte die Ansagerin hinzu. Recht hat sie.

Drum gab es ein modifiziertes Programm, selbstverständlich immer noch mit dem Allerschönsten von Verdi, wenn auch ohne das „Ausnahmetalent“ Lanza (O-Ton Programmheft). Die Kolleginnen und Kollegen, mit denen er tourt, ersetzten die Tenorhits durch andere Stücke. Welche es waren, wurde nicht angesagt. Wenigstens zwei seien hier nachträglich genannt: ein Stück war die Bariton-Arie „Dio di Giuda“ aus „Nabucco“, ein weiteres die Violetta-Szene „E strano“ aus „La Traviata“.

Mit dem nicht immer ganz intonationsgenauen, aber stimmstarken Bariton Giulio Boschetti und der Sopranistin Silvia Rampazzo, die offenbar mit sich selbst hier und da unzufrieden war, hatte diese Verdi-Nacht zwei nicht gerade glänzende, doch solide Solisten. Ihnen zur Seite stand die polnische Sopranistin Małgorzata Wrzesień, die über eine sehr bewegliche Stimme verfügt. In den Spitzenlagen neigt sie allerdings zu großem Krafteinsatz und der daraus resultierenden Schärfe.

Ein solcher Krafteinsatz der Solisten wurde bisweilen deshalb nötig, weil das zuverlässig begleitende Orchester unter der wenig energischen Leitung von Silvano Frontalini im Bläsereinsatz gern forsch agierte. Anständig sang der Chor, der eine große dynamische Bandbreite besitzt. Ob Chor und Orchester aus Warschau oder aus Mailand stammten, wies das Programmheft nicht eindeutig aus. Der Tourbus vor der Stadthalle trug jedenfalls ein polnisches, kein italienisches Kennzeichen.

Übrigens: Wer Lanzas Verdi-Nacht vor einem Jahr erlebt hat und diesmal nicht gekommen war, hat nicht viel verpasst. Denn das Programm von 20 Stücken war (wäre Lanza aufgetreten) bis auf drei neue Nummern identisch mit dem von 2014. Eine neue, schöne Aktion gab es aber doch: Die verbliebenen Solisten gaben in den beiden Zugaben – „Funicoli, funicola“ und „O sole mio“ – improvisierend ihr Bestes und brachten so sich selbst und das Publikum in Stimmung.

Von Michael Schäfer

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