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Großer Theatermann: Heinz Hilpert, DT-Intendant, Regisseur und Schauspieler

Porträt Großer Theatermann: Heinz Hilpert, DT-Intendant, Regisseur und Schauspieler

Heinz Hilpert (1890-1967) zählte zu den Großen des deutschsprachigen Theaters. Zu einer seiner bedeutendsten Stationen verhalfen ihm die Nationalsozialisten, 1934 wurde er Direktor des Deutschen Theaters, allerdings ausdrücklich bestätigt von seinem Vorgänger Max Reinhard, der ins Exil gehen musste.

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Quelle: Archivfoto

Göttingen. 1950 übernahm er das Göttinger Stadttheater, das er Deutsches Theater (DT) nannte: „Da, wo ich bin, ist das Deutsche Theater“, soll er gesagt haben. Am 1. März wäre Hilpert 125 Jahre alt geworden. Grund genug für ein Gespräch mit Erich Sidler, DT-Intendant, und den Hilpert-Zeitgenossen Norbert Baensch, 1934 geboren, der unter Hilpert zum Chefdramaturg aufstieg, Klaus Wettig, Jahrgang 1940, ehemaliger SPD-Europapolitiker, und Achim Block, geboren 1932, ehemaliger Göttinger CDU- Ratsherr, Landtagsabgeordneter und Präsident des Niedersächsischen Landesprüfungsamtes für Lehrämter. Wettig und Baensch lernten Hilpert auf der Bühne kennen.

Der aktuelle DT-Intendant Sidler hatte keine Chance, Hilpert zu treffen. Als der große Theatermann starb war Sidler gerade zwei Jahre alt. Doch er kann Hilperts Aura auf andere Weise erfahren: „Sein Geist ist noch im Haus vorhanden“, meint Sidler ganz unesoterisch: „Das kann man am Begriff Deutsches Theater festmachen. Er hat den Grundstein gelegt für die Karriere eines Theaters, die ihresgleichen sucht.“ Die nachfolgenden Intendanten hätten immer Bezug darauf genommen. Block ergänzt: „Es ist ein Menschenhaus geblieben.“

Hilpert brachte große Namen mit. Die Filmaufbau Göttingen, in deren Studios in Elliehausen große deutsche Filme gedreht wurden, wird die Entscheidung für ein Engagement am DT befördert haben. Erich Ponto trat hier auf, Siegfried Lowitz, später der Alte in der gleichnamigen TV-Serie, Martin Hirthe, der Hoss Cartwright in der Serie „Bonanza“ seine Stimme lieh oder Hubert von Meyerinck. „Der spielte damals in den Filmen immer die preußischen Knallchargen, zackzack“, erinnert sich Wettig und ist noch heute überzeugt: „Hilpert war eine sehr gute Adresse.“

Block war 1951 zum Studium der Germanistik nach Göttingen gekommen, zur ersten Spielzeit von Hilpert. Der machte der Universität das Angebot, den Studenten theaterpraktische Übungen anzubieten. Block war dabei und spielte in Thornton Wilders „Unsere kleine Stadt“ einen Chorleiter, „eine alkoholisierte und eher dunkle Figur“, erinnert sich Block. Und er sagt im Rückblick: „Hilpert hat sich mit rührender Geduld um uns junge Leute gekümmert.“ Mehr noch: Er attestiert dem Theatermann eine „verblüffende Mischung von großer Klugheit und Zauberkunst“.

Baensch, unter Hilpert am Ende Chefdramaturg, erinnert sich, an den Aufschwung, den das Haus am Wall unter Hilpert nahm. Er sei „eine begehrte Inszenierungspersönlichkeit“ gewesen, sagt Baensch. Korrespondenten aus verschiedenen Ländern hätten über Hilperts Produktionen berichtet. Ein großes Sozialleben habe er nicht gepflegt, sei aber sehr belesen gewesen. Was er denn gelesen habe, wollte Sidler wissen. Block: „Fragen Sie lieber, was er nicht gelesen hat.“

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