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Gufler taucht in Künstlerleben ein

Ausstellung im Künstlerhaus Gufler taucht in Künstlerleben ein

Gemurmel dringt aus den Räumen des Künstlerhauses. Nicht Publikum plaudert, hier laufen Videos mit Ton. Philipp Gufler, geboren 1989 im Augsburg, wohnhaft in Amsterdam, bestreitet dort seine erste institutionelle Einzelausstellung, organisiert  vom Kunstverein. „Setze dein Ich in Anführungsstriche“ heißt die Schau.

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Wer Gufler auf seinem Weg folgen will, muss Recherchearbeit investieren, sonst bleibt er auf der Strecke.

Quelle: CH

Göttingen. Der Titel der Schau ist dem Text „Versuch über die Pubertät“ von Hubert Fichte (1935-1986) entlehnt, den er 1974 schrieb. Gufler beschäftigt sich in der Ausstellung mit der Arbeit von zwei Kollegen:  Rabe Perplexum (1956-1996) und Ben d’Armagnac (1940-1978). Beide waren Performance-Künstler, beide starben früh und ihr Werk wurde von der Kunstgeschichte nahezu komplett vergessen wurde. Und: Beide setzten sich in ihrer KunstGefahren aus, manchmal bis hin zu Lebensgefahren. Rabe Perplexum starb durch Selbstmord, d’Armagnac durch einen Unfall, der auch eine Selbsttötung gewesen sein könnte.

Nichts davon erfahren die Besucher in der Ausstellung. Dort erleben sie vielfache Überlagerungen von bewegten Bildern und Tönen. Sie stoßen auf Werke, die sich der Zuordnung erst einmal verweigern, denn Gufler spielt auch mit zeitlichen Ebenen. Er vollzieht die Arbeit der beiden Kollegen nach, denkt sie neu, manchmal vielleicht auch um. Man könnte sagen, dass er sie vereinnahmt, doch Guflers Umgang mit der Kunstgeschichte ist weit entfernt von solchem Erobererhabitus. Er geht spielerisch um mit dem, was die beiden Künstler hinterlassen haben.

Die Ausstellung:

Bis Sonntag, 31. Juli, dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr, an den Wochenenden von 11 bis 17 Uhr im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1. Sonntagsführungen stehen am 26. Juni und am 17. Juli um 15 Uhr auf dem Programm.

Eine Performance von beispielsweise stellt er mit einem weißen Plexiglas-Kubus nach. d’Armagnac hatte sich mit Fliegen in einen Raum sperren lassen, dessen Fenster übermalt waren. In einer Filmproduktion auf den Kubus sieht man ihn daran kratzen mit Spachtel und Teppichmesser-Klinge. Oder sehen wir doch Gufler? Wieder Überlagerungen, in der Realität wie auch in der Fiktion.

In der Videoarbeit „Becoming-Rabe“ übernimmt Gufler den Part von Rabe Perplexum. Beide Figuren überlagern sich, verschmelzen bis zu einem gewissen Grad. So lotet Gufler diese künstlerische Position aus, ohne sie zu dominieren. Sein Umgang ist einer, der viel Spielerisches hat, aber auch eine große Ernsthaftigkeit.

Das alles zeigt Gufler im Künstlerhaus jetzt weitgehend hermetisch. Wer Gufler auf seinem Weg folgen will, muss Recherchearbeit investieren, sonst bleibt er auf der Strecke. Doch wer die Menschen in China verstehen will, muss die chinesische Sprache lernen. So ist das eben manchmal auch mit dem fortschreitenden Spezialistentum in der Kunst.

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