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„Haarsträubend schön“

GSO „Haarsträubend schön“

„Haarsträubend schön“ lautete das Motto des Konzert mit dem Göttinger Symphonie-Orchester in der Stadthalle. Der Solist war ein mit Preisen hoch dekorierter Violinvirtuose: Sergey Dogadin, Sieger des Joseph-Joachim-Wettbewerbs 2015. Phänomenal, wie er das Tschaikowsky-Konzert spielte.

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Quelle: dpa (Symbolbild)

Göttingen. Technische Schwierigkeiten scheinen für diesen Geiger nicht zu bestehen. Mit rundem, vollem Ton schwelgte er in den Emotionen, ließ die Melodien strömen, zeigte feuriges Temperament, lyrischen Schmelz, bot auch in den höchsten Lagen stets eine präzise Intonation und schien dabei überhaupt nicht angestrengt. Damit versetzte er das Publikum in der voll besetzten Stadthalle in Entzücken. Die Zuhörer klatschten so lange, bis sie mit einem artistischen Hochseilakt – Paganinis Introduktion und Variationen über ein Thema von Paisiello – als Zugabe belohnt wurden.

Eindrucksvolle Ruhezonen

Die Vorspeise zu diesem virtuosen Hauptgang war Mendelssohns Ouvertüre zu „Ruy Blas“. Hier konnte der aus der Schweiz stammende Gastdirigent Simon Gaudenz bereits seine hohen Qualitäten im Umgang mit Tempi und Klangfarben vorführen. Den ausgesprochen spritzigen, kultiviert vorwärtsstürmenden Allegro-Passagen stellte er eindrucksvoll breit genommene Ruhezonen in den feierlichen Blechbläser-Akkorden entgegen und führte dabei – wie auch anschließend im Tschaikowsky-Tutti-Part – das Orchester mit großer Souveränität und schlagtechnischer Genauigkeit.

Das kam dem Schlussstück des Abends sehr zugute. Die 1938 uraufgeführte Symphonie g-Moll des englischen Komponisten Ernest John Moeran ist ein breit ausgeführtes Tongemälde in vielfältig differenzierten Farben. Gaudenz brachte all diese Klangfarben zu intensivem Leuchten und sorgte mit dramaturgischer Kunst dafür, dass in der Spieldauer von rund 45 Minuten die Spannung nirgends nachließ. Die Instrumentalisten folgten seinem schwungvollen Dirigat mit Hingabe, boten feine Sololeistungen und waren im Zusammenspiel bemerkenswert präzise.

Gastdirigenten in dieser Saison sind möglicherweise Kandidaten für die Nachfolge von Christoph-Mathias Mueller. Der Orchesterchef wohnte dem Konzert bei, war sichtlich angetan und spendete Gaudenz am Ende lebhaft Beifall – mit derselben Begeisterung wie das übrige Publikum.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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