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Händel-Festspiele: Ensemble Odissea in der Klosterkirche Bursfelde

Göttingen Händel-Festspiele: Ensemble Odissea in der Klosterkirche Bursfelde

Auch in der Region entwickeln die Händel-Festspiele derzeit eine außergewöhnliche Anziehungskraft. Ausverkauft war die Klosterkirche Bursfelde am Pfingstsonntag beim Konzert des britischen Ensembles Odissea mit der slowenischen Sopranistin Suzana Ograjenšek.

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Kloster Bursfelde

Quelle: Archiv/Theodoro da Silva

Bursfelde. Für Odissea stehen der Geiger Jorge Jimenez und der Cembalist Benjamin Bayl. Die beiden Musiker engagieren fallweise Kollegen hinzu – mit dem vollmundigen Werbeslogan „Odis­sea is where music begins“. Es war ihr Deutschlanddebüt: Das junge Ensemble war erstmals Mitte April mit diesem Programm beim „London Handel Festival“ zu hören.

 
Ihr musikalisches Potenzial ist in der Tat eindrucksvoll. Vier Kantaten – drei von Händel, eine von Alessandro Scarlatti – standen auf dem Programm, dazu zwei Triosonaten von Händel und Geminiani. Jimenez ist ein äußerst temperamentvoller Violinist, der gern heftige Akzente bis hin zur Ruppigkeit setzt. Bayl wechselt wendig zwischen Cembalo und – eine halbe Drehung auf dem Sitz – Orgel hin und her, spielt virtuos und stilsicher. An der zweiten Violine hielt sich James Toll eher bedeckt, während Christopher Suckling am Violoncello seine Lust am Spiel auch mit fröhlicher Miene kundtat.

 
Der Hauptpart in diesem Programm ist der Sängerin zugewiesen. Händels tändelnde Kantate „Manca pur, quando sei“ war der federleichte Auftakt, dem drei ausgesprochen dramatische Kantaten folgten: Händels „Armida abbando­nata“, Scarlattis „Il Nerone“ und zum Schluss Händels „Agrippina condotta a morire“. Hier geht es um tiefe Verzweiflung der Verlassenen (Armida), blutgierige Grausamkeit (Nerone) und den Konflikt der Mutter, die ihren verbrecherischen Sohn zugleich verdammt und liebt (Agrippina).

 
Eigentlich passt das eher zierliche Soprantimbre von Suzana Ograjenšek besser zum Milieu pastoraler Kantaten. Aber alle Achtung, welche mannigfachen Facetten sie in der musikalischen Gestaltung abgründiger Charaktere aufscheinen ließ und welche Sicherheit sie auch in halsbrecherischen Koloraturen bewies. Dass sich hier und da kleine Schärfen und minimale Intonationsungenauigkeiten einschlichen (die es auch bei den Streichern gab), konnte den Genuss nicht wesentlich trüben. Begeisterter Applaus, Händels Armida-Arie „In tanti affanni miei“ als Zugabe.

 

Von Michael Schäfer

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