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Häppchenweise Hits und verlegene Gesichter

Aus der Traum Häppchenweise Hits und verlegene Gesichter

Münchner Freiheit – wer denkt da nicht an weite Bundfaltenhosen und riesige Schulterpolster, an Vokuhila-Haarschnitt und die ZDF-Hitparade. Wer fühlt sich nicht zurückversetzt in die alten Zeiten, als es das Mofa zur Konfirmation geschenkt gab und die Ballonseide noch in jedem Kleiderschrank zu finden war.

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Hatten ihre Sternstunde in den 80ern: Münchner Freiheit beim Konzert in der Stadthalle Göttingen.

Quelle: Theodoro da Silva

Das Publikum, das am Donnerstagabend zum Konzert in die leider nur halb volle Stadthalle gekommen war, dachte jedenfalls daran, denn eins wurde während des Auftritts der Münchner Freiheit immer wieder deutlich: Man war gekommen, um noch einmal die alten Erfolge zu hören, zurückzuschwelgen in die Zeit vor mehr als 25 Jahren. Man war mit Partnern und alten Freunden da, um wie früher mitzusingen, zu den Songs begeistert zu klatschen und sich wieder zu fühlen wie damals in den 80ern.

Die Band, die inzwischen schon 30 Jahre gemeinsam auf der Bühne steht, erwartete aber wohl etwas anderes: Neben wenigen Hits von früher wollte sie vor allem ihre aktuelle CD „Ohne Limit“ vorstellen. Und deutlich machen, dass sie auch anders kann, als nur immer wieder die gleichen alten Schmusesongs herunterzuleiern. Und so spielte sich während des Abends immer wieder das gleiche Szenario ab: Die ersten Takte eines Hits aus den 80ern – „SOS, ruf mich an“, „Tausendmal du“ und natürlich „Ohne dich schlaf ich heut Nacht nicht ein“ – erklangen und keinen in der Stadthalle hielt es auf den Stühlen, es wurde gejubelt, getanzt, gefeiert und ganze Textpassagen wurden auswendig mitgesungen. Nachdem der Song dann verklungen war, wurde wieder ein neues Lied von einer der jüngsten CDs gespielt. Bis auf eine Handvoll hart gesottener weiblicher Fans, die sich von Anfang an an den Bühnenrand gestellt hatten, um wenigstens für sich selbst das Gefühl des großen Rockkonzerts wieder aufleben zu lassen, setzten sich alle anderen wieder hin und warteten, bis der nächste 80er-Hit gespielt wurde. Die Band gab dem Publikum also immer nur häppchenweise, weshalb es doch eigentlich hergekommen war. Noch dazu wurde man das Gefühl nicht los, dass teilweise ein Vollplayback lief, wenn Sänger Stefan Zauner in einem Moment noch glockenhell saubere und ausdauernde Töne sang und im nächsten Moment bei einer Ansage so außer Atem war, dass er kaum ein Wort herausbrachte.

Insgesamt setzte sich der Geschmack von einem Konzert ab, bei dem die Band ihrem wirklich begeisterten Publikum eigentlich nicht das zollte, was es verdient gehabt hätte: die Liebe und den Respekt gegenüber der Musik zu feiern, die sie berühmt gemacht hat. Und so wirkt auch das Publikum bei der Zugabe und dem somit letzten Lied des Abends eher ratlos als begeistert: plötzlich wird der AC/DC-Knüller „I love Rock n Roll“ gegeben, wobei alle Bandmitglieder ihre Instrumente untereinander austauschten. Das Publikum grölte zwar teilweise mit, aber doch zeichnete sich große Verlegenheit auf den Gesichtern ab. Ganz klar: Das hatte das Publikum nicht erwartet, das ist nicht das, was zur Münchner Freiheit passt.

Eine weitere Zugabe wird dann auch nicht mehr verlangt und auch die Band scheint froh, das Konzert endlich hinter sich zu haben. Die Lichter gehen aus, und vom Band ertönt endlich noch einer der Hits, den alle noch immer auswendig mitsingen können: „So lang man Träume noch leben kann.“ Das wäre sicherlich die Zugabe gewesen, die sich die Zuschauer gewünscht hätten.

Von Indra Hesse

Update: Vielen Dank für den Hinweisgeber: Der Fehler in der Bildunterschrift wurde verbessert, fh.

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