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Hamburger Trio Bidla Buh im Alten Rathaus

Kaktus-Kalinka Hamburger Trio Bidla Buh im Alten Rathaus

Dass der kleine grüne Kaktus von den Comedian Harmonists aus den 1930er Jahren als Vokalmusik sticht, sticht, sticht, ist wohl bekannt. Weniger populär dürften die Kaktus-Kalinka, der Kaktus-Reggae-Rap, die vermeintliche Marius-Müller-Westernhagen-Version und die spanisch angehauchte Umsetzung im Stil der Gipsy Kings sein.

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Schwarze Fräcke, schwarzer Humor: Hans Torge Bollert, Olaf „Ole“ Klindtwort und  Jan-Frederick Behrend (v.l.) von Bidla Buh.

Quelle: Heller

Göttingen. Doch wie unterhaltsam die Variationen des Hits des international erfolgreichen Berliner Vokalensembles sind, hat die Hamburger Gruppe Bidla Buh im ausverkauften Alten Rathaus mit ihrem Musik-Comedy-Programm „Advent, Advent, der Kaktus brennt“ bewiesen. Was sich zu Beginn noch nach den Comedian Harmonists anhörte, wandelte sich schnell zu einer rasanten Show mit viel Musik, meist neuen Ideen sowie viel stichelndem und selbstironischem Humor.

„Göttingen, wir haben euch vermisst“, sagt Hans Torge Bollert. Im August war der Sänger und Trompetenspieler mit seinen zwei Mitmusikern bereits zum dritten Mal beim Kultursommer. Kein Grund für Bidla Buh die Weihnachtszeit auszusparen. In Anlehnung an das Lied „Bidla Buh“ des in Österreich geborenen und 2011 gestorbenen Komponisten, Sängers und Dichters Georg Kreisler, in dem 14 Damen geliebt, verwöhnt und gemordet werden, ist der Humor der Hamburger oft ebenso schwarz wie deren Fräcke.

Kündigen sie eigentlich ein weihnachtliches Werk des 2012 gestorbenen Sängers Dietrich Fischer-Dieskau an, vertonen sie doch Loriots Gedicht Advent. Liebevoll singt Bollert den Text, der in vorweihnachtlicher Atmosphäre startet, aber im wesentlichen auf den Mord am Förster durch die Försterin eingeht, die ihren Mann zerteilt und im Geschenkpapier an Knecht Ruprecht weitergibt.

So makaber präsentieren sich Bidla Buh aber nicht den gesamten Abend. Sie wissen mit ihrem Publikum umzugehen. Bollerts Ansagen werden nicht langweilig. Bei „Weihnachtsspeck, der muss weg“ animieret er viele Besucher des Alten Rathauses mitzusingen. Aber nicht alle Ideen des Trios sind neu.

Das Timing stimmt

Zücken sie nacheinander immer größere Flöten, endet Olaf „Ole“ Klindtwort mit: „Nicht auf die Größe, sondern auf die Technik kommt es an.“  Überraschender  ist „Oh When The Saints“, geblasen auf einem rotierender Schlauch an dessen Ende eine Wunderkerze brennt oder die Performance mit der Blasebalg-Melodika-Bank. Setzen sich die Hamburger entstehen Töne. Jingle Belts oder der Radetzky-Marsch von Johann Strauss bringen sie so hervor.

Nicht nur beim Hinsetzen stimmt das Timing, sondern auch bei den Pointen. Dass sich  Bidla Buh selbst nicht allzu ernst nehmen, zeigen unter anderem Step-Einlagen mit Moonboots oder die ständige Grimasse von Jan-Frederick Behrend. Doch vor allem die Musik der Hamburger ist ernstzunehmen. Bollert erinnert stellenweise an ein aufgedrehtes Max-Raabe-Pendant. Steht er eben noch adrett in der Mitte der Bühne, rockt er gleich am Rand derselbigen.

Sein Pfeifen ist ebenso klar wie sein Trompetenspiel. Klindtwort unterstützt und trägt oft die Arrangements mit der Gitarre. Behrend komplettiert das Trio mit seinem Schlagwerkspiel. Herausragend seine Leistung und Geschwindigkeit am Metallophon. Die Zuschauer scheinen sich mit dem Fordern nach einer Zugabe einig zu sein. Bidla Buh dürfen gern erneut nach Göttingen kommen.

Von Friedrich Schmidt

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