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Hans-Werner Olm teilt in der Stadthalle Dransfeld kräftig aus

Derber Humor Hans-Werner Olm teilt in der Stadthalle Dransfeld kräftig aus

Ein einschwörendes „Olm!“ erklingt aus den Lautsprechern der voll besetzten Stadthalle in Dransfeld, bevor der Comedian Hans-Werner Olm mit grauer Stoffhose und knallrotem Satin-Hemd auf der Bühne erscheint. Zwei Stunden lang begeistert er das Publikum mit meist gutem, teilweise derbem Humor, der sich aber auch gern mal an der ästhetischen Schmerzgrenze bewegt.

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Angriffslustig und musikalisch: Schauspieler und Kabarettist Hans-Werner Olm in der Stadthalle Dransfeld.

Quelle: Hinzmann

Auf ironische Weise thematisiert er die Auswüchse der Fernsehlandschaft, die Rentnergesellschaft oder den Schlankheitswahn, gespickt mit humorvollen Imitationen und musikalischen Darbietungen.

„In meinem Alter ist es nicht so einfach, sich am Östrogenbuffet den Teller vollzuhauen“, meint Olm gleich zu Beginn. Trotzdem würden Männer niemals Sportarten wie Nordic Walking anfangen, sondern „lieber heillos verfetten, als sich so einer Demütigung auszusetzen.“ Mit einem Song für „hässliche Menschen“ und dem „Klapper-Lied“ über abgemagerte Models nimmt der musikalische Komiker zur allgemeinen Begeisterung den Schönheitswahn der Gesellschaft aufs Korn.

Das Fernsehprogramm, mit seinen belehrenden Doku-Soaps wie „Super-Nanny“ oder „Raus aus der Schuldenfalle!“, nimmt Olm ebenfalls ironisch unter die Lupe. Heutzutage könne man „nicht mal mehr in Ruhe verwahrlosen, ohne dass gleich ein Team von RTL vor der Tür steht.“ Dem Schuldnerberater schlägt er vor, einmal bei Angela Merkel vorbeizuschauen: „16 Bundesländer – ist das wirklich nötig? Reichen denn nicht auch 11?“, imitiert er Zwegat und erntet dafür lauten Beifall. In Leipzig habe bei diesem Witz Totenstille geherrscht, erklärt Olm mit einem Schmunzeln.

Auch die Überalterung der Gesellschaft bietet für den Komiker ausreichend Stoff. Überall würden sich die Rentner ausbreiten, selbst im Urlaub seien sie in der Mehrzahl. „Wie müssen das ihre Kinder empfinden, wenn die Alten noch so viel Geld ausgeben? – Das ist aktive Enterbung!“ meint er mit gespieltem Entsetzen. Der Missbrauch-Skandal der katholischen Kirche oder Thilo Sarrazin, „der alte Kopftuchjäger“, lassen Olm auch nicht kalt und bekommen ihr Fett weg.

Die Highlights des Abends sind die musikalischen Kostproben des Comedians, der an der Gitarre und auch gesanglich sein Können beweist. In den verschiedensten Versionen präsentiert er den Song „Satellite“ der „Knutschkugel“ Lena: mit großartigen Imitationen von Peter Maffay, Barry White, Roberto Blanco oder James Brown, als romantischer Minnesänger oder auch rockig wie Rammstein.

Von Noreen Hirschfeld

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