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Romantische Klänge und düstere Walzer

Harfenduo in Göttingens Alter Fechthalle Romantische Klänge und düstere Walzer

Werke russischer Komponisten des 19. Jahrhunderts hat das Harfenduo Laura Oetzel und Daniel Mattelé am Sonnabend vor 90 Zuhörern in der Alten Fechthalle in Göttingen gespielt. Sensibel und ausdrucksstark interpretierten die Musiker dramatische, düstere, aber auch romantische Stücke.

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Weltklasse im Wald

Das Harfenduo Laura Oetzel und Daniel Mattelé

Quelle: r

Göttingen. Mit dem fanfarenartigen Satz „Promenade“ aus Modest Mussorgskis (1839-1881) Klavierzyklus „Bilder einer Austellung“ eröffnete das Duo den Abend. Eine Gedenkausstellung für einen jung gestorbenen Freund hatte Mussorgski zu seinem farbenreichen Zyklus inspiriert. Ein dort zu sehender Nussknacker regte ihn zum Satz „Gnomus“ an, in dem er lautmalerisch den hinkenden Gang eines Zwergs nachahmt. Wild ist der Ritt der Hexe „Baba Yaga“ auf ihrem Mörser, in dem sie mit dem Stößel die Knochen von Menschen zerstampft. Die Kannibalin lautert im Wald in ihrer Hütte auf Hühnerkrallen, deren Eingang sich immer dem Wanderer zuwendet, Opfern auf.

Das Promenaden-Thema des erstens Satzes verbreitert die Variation in „Das Große Tor von Kiew“. Dieses nicht gebaute Stadttor mit Glockenturm sollte in Kiew an ein gescheitertes Attentat auf Zar Alexander II. erinnern. Unterbrochen wird das Thema von einer zarten Choralmelodie. Das Duo orientierte sich bei seinem Arrangement an einer Orchestrierung des Zyklus, die Maurice Ravel (1875-1937) geschaffen hat.

Changierende Figuren

Weniger bekannt waren die Stücke, die die Harfenisten von Alexander Skrjabin (1872-1915) ausgewählt hatten. Sie spielten das romantische Impromptu op. 12 Nr. 2 von 1895. Darin baut ein sich wiederholender Bass-Akkord eine unterschwellige Spannung zu dem lyrischen, träumerischen Thema in b-Moll auf. Sperriger sind die „Deux Danses“ aus Skrjabins Spätwerk, in dem der psychisch kranke Komponist zu einer eigenen Tonsprache fand: In „Guirlandes“ changieren die Figuren. Finster sind die „Flammes sombres“.

Eine unglückliche Liebe inspirierte Michail Glinka (1804-1857) 1839 zu einer Valse-Fantaisie in der düsteren Tonart h-Moll. Das Walzerthema entwickelte beim Duo trotzdem in immer virtuoseren Variationen eine mitreißende Leichtigkeit.

Nachgeahmtes Glockenspiel

Bekannte Melodien erklangen zum Ende des Konzerts mit Pjotr Tschaikowskis (1840-1893) Ballett „Der Nussknacker“. Dort mussten Oetzel und Mattelé die Pedale ihrer Instrumente, mit denen sie die Halbtöne erzeugen, besonders oft treten. Ein Mädchen, das zu Weihnachten einen Nussknacker bekommt, träumt in der Nacht. Unter dem Kommando ihres neuen Spielzeugs ziehen in „Der Marsch“ Zinnsoldaten in strenger Formation gegen das wuselnde Heer des bösen Mäusekönigs in die Schlacht. Nach dem Sieg, den der Nussknacker mit Hilfe des Mädchens erringt, lädt die Zuckerfee alle in ihr Schloss ein. Das Harfenduo ahmt im „Tanz der Zuckerfee“ fingerfertig die himmlischen Klänge des Instruments Celesta nach, eines Glockenspiels, das in der Orchesterfassung für die Fee steht. Wild ist der Kosakentanz „Trepak“, den es im Zaubeschloss zu sehen gibt. Mit dem „Blumenwalzer“, der bei Tschaikowski mit einer Harfenkadenz eingeleitet wird, beendete das Duo sein Programm. Das Publikum erklatschte sich mit langem Applaus eine Zugabe.

Die Musiker, die bereits als Kinder mit dem Harfenspiel begannen, sind schon bei Konzerten der Göttinger Musikfreunde in der Unistadt aufgetreten. Als Duo konzertierten sie zum zweiten Mal in der Fechthalle, deren schwingender Holzboden wie ein großer Resonanzkörper wirkt.

Von Michael Caspar

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