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"Gerade zum richtigen Zeitpunkt"

Bob Dylan "Gerade zum richtigen Zeitpunkt"

Der Göttinger Literaturwissenschaftler Heinrich Detering ist auch ein Kenner des Werkes von Bob Dylan. Am Donnerstag wurde dem 75-jährigen Musiker aus den USA der Literaturnobelpreis zugesprochen. Detering hatte im Mai gesagt, „dass es dem Nobelpreis gut tun würde, Dylan auszuzuzeichnen."

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Heinrich Detering

Quelle: Vetter

Göttingen. Am Donnerstag erklärte Detering, er habe nicht mehr mit dem Literaturnobelpreis für den amerikanischen Sänger und Songschreiber gerechnet. "Aber der Preis kommt gerade zu einem sehr richtigen Zeitpunkt, weil es scheint, als hätte Dylan sein facettenreiches Werk im wesentlichen abgeschlossen."

Texte, Musik und Performance

Dylan habe wie kein anderer die moderne amerikanische Musiktradition mit der literarischen Hochkultur zu einer neuen Kunstform vereint - Ovid mit Blues, Shakespeare mit Gospel, so Detering. "Es wäre deshalb ein großes Missverständnis zu meinen, er werde nur für die Qualität seiner Texte ausgezeichnet. Texte, Musik und Performance sind eine Trias."

Detering, der im Sommersemester die Vorlesung „Bob Dylan und die Weltliteratur“ an der Georg-August-Universität hielt, sieht Dylan als Inbegriff des Singer/Songwriter und als einen der einflussreichsten Künstler der amerikanischen Kultur seit den 1960er Jahren. Dylan habe nicht nur die Entwicklung der Songpoesie bis heute maßgeblich mitbestimmt, sondern auch ein dauerhaftes Interesse der Musik-, Literatur- und Kulturwissenschaften geweckt. „Von Beginn an entfalteten sich seine Songs in intensiven Dialogen mit „Weltliteratur” im weiten, Goethe'schen Sinne dieses Wortes.

Längst Teil der Weltliteratur

Sie beziehen sich ebenso umfangreich wie komplex auf die reichen amerikanischen Songtraditionen, auch auf Filme – und sie beziehen sich zugleich auf Dichtungen unterschiedlichster Zeitalter und Kulturen: von der Bibel und Homers Odyssee über die Dichtungen der römischen Kaiserzeit, die mittelalterlichen Mysterienspiele und Shakespeares Dramen bis zur amerikanischen Romantik, den französischen poètes maudits und dem Theater Bertolt Brechts“, hieß es zu der Vorlesung. Somit sei Dylans fast sechs Jahrzehnte umspannendes Werk eines, das sich in der Auseinandersetzung mit “Weltliteratur” konstituiert, und als ein Werk, das längst selbst zur Weltliteratur gehört.

In einem Interview mit Deutschlandradio Kultur zum 75. Geburtstag von Bob Dylan am 24. Mai erklärte Detering, der Musiker habe  Musik, Performance und Poesie in einer einzigartigen Weise als Einheit wiederentdeckt, so Detering. "Dylan hat das in einer Komplexität ausgenützt, was diese Vermischung der Kunstarten ihm anbot, wie kein anderer das getan hat."

Dass nahezu jede ein Zitat aus den bildungskulturellen Überlieferungen sei, ist für den Literaturwissenschaftler etwas ganz Besonderes: "Der Witz ist nicht, dass er das alles zusammenstiehlt und daraus diese Collagen erzeugt, sondern der Witz ist, dass es klingt, als sei es alles aus einem Guss. Das grenzt ans Wunderbare."Den Literaturnobelpreis, für den der Musiker mehrfach im Gespräch war, brauche Dylan schon lange nicht mehr, erklärte Detering in dem Interview zum Dylan-Geburtstag im Mai. "Er hat alle erdenklichen Auszeichnungen und allen erdenklichen Ruhm eingeheimst. Ich glaube allerdings, dass es dem Nobelpreis gut tun würde, Dylan auszuzuzeichnen." dpa/jes

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