Volltextsuche über das Angebot:

4 ° / -4 ° wolkig

Navigation:
Helga Lünsmann-Wilson: Mit ganz eigener Handschrift

Tageblatt-Serie „Künstler und ihre Ateliers“ Helga Lünsmann-Wilson: Mit ganz eigener Handschrift

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit in einer Tageblatt-Serie vor. Heute: Helga Lünsmann-Wilson aus Göttingen.

Voriger Artikel
Vorverkauf für das 38. Göttinger Jazzfestival hat begonnen
Nächster Artikel
Die „Swing Club Cats“: Neues Projekt für Nawothnig und Kollegen

Kreative Fülle im Atelier: Hier zeichnet Helga Lünsmann-Wilson.

Quelle: Heller

Göttingen. Außergewöhnlich ist ihr Leben, außergewöhnlich ihre künstlerische Arbeit. Viele Jahre hat Helga Lünsmann-Wilson in der Karibik gelebt, und das spiegelt sich auch in der Farbigkeit, im Formenspiel und der fantasievollen Fülle ihrer Bilder wider. „Ich hatte schon immer unheimlich Fantasie“, erinnert sich die Künstlerin an ihre frühe Kindheit und den Vater, den sie mit vier Jahren verlor und der ihre Kreativität mit Märchenerzählungen und Puppentheaterspiel schon früh weckte.

 

Eigenes Erlebtes und politisches Zeitgeschehen, Gefühlswelten, Träume, mythisch anmutende Gestalten und reale Ereignisse verbindet die 74-Jährige in ihren farbenfrohen Federzeichnungen zu ganz eigenen, rätselhaften und poetischen Bildwelten. Kreative Fülle zeichnet auch ihr Atelier im Hagenweg 2b aus. Private Fotos, Kinderzeichnungen und Zeitungsausschnitte an der Wand, viele Kleinigkeiten und „ein bisschen Kitsch“ wie eine Weihnachtspyramide und eine hölzerne Giraffe finden sich hier neben ihren Bildern, neben Pinseln und Federn, farbigen Tinten und Tuschefüllern.

 

Nach einem Lehramtsstudium mit Schwerpunkt Kunsterziehung hat die gebürtige Hannoveranerin Freie Grafik an den Kölner Werkschulen studiert. Im Nachlass des Großvaters, der „wunderbar zeichnen konnte“, wie sie sagt, fand sie einst Federn,mit denen sie als 25-Jährige zu zeichnen begann. In London, Rom und den USA hat sie gelebt, außerdem 15 Jahre auf den Westindischen Inseln und in Guyana. Während der Erziehung ihrer drei Kinder habe sie Gedichte geschrieben und 1992 in der Karibik wieder angefangen zu malen. „Geschichten, die ich erlebt habe.“ Seit 1999 lebt Lünsmann-Wilson in Göttingen.

 

„Ich will mich nicht mitteilen“, sagt die Künstlerin über ihre Bilder, „jeder kann sehen, was er will.“ Aber sehr wichtig ist ihr, dass ihre Arbeit „eigenständig ist und nicht an jemanden erinnert. Meine eigene Handschrift habe ich ja gefunden.“ Ihre Federzeichnungen, deren Technik in der Radierung und im Holzschnitt wurzelt, sind geprägt von Detailreichtum und überbordender Fantasie. Und ihre Themen sind so vielfältig wie das Leben, reichen von Kindheitserinnerungen und Erlebtem über Literatur, karibische Natur und Voodoo bis zu aktuellen Ereignissen wie „9/11“ oder dem Terror im Nahen Osten.

 

Jedes Bild beginnt Lünsmann-Wilson mit einem roten Punkt in der Mitte. Die Bildfläche füllt sie dann mit weiteren Punkten und kleinen Federstrichen, die sie mit Tusche setzt, was mitunter ein Jahr dauern kann. „Ich mache das einfach gerne. Das Malen ist für mich Disziplin und Kontemplation. Und irgendwie befreie ich mich. Die Themen sind ja immer auch persönlich“, sagt die Kosmopolitin. „Das ist eine Kraft und ein Dialog in einem selbst.“ 

 

Und wo soll es hingehen? „Einfach weiter und nicht stehenbleiben“, blickt Lünsmann-Wilson in die Zukunft. Malen und Zeichnen will sie „solange wie möglich. Ich könnte nicht ohne existieren.“

 

Von Karola Hoffmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Die Milchbar im Nörgelbuff