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Henning Vater spielt Rosenkranzsonaten

St. Jacobi Henning Vater spielt Rosenkranzsonaten

Erfahrene Konzert­gänger denken bei Violinmusik des Barocks in erster Linie an die Solowerke von Johann Sebastian Bach. Fünf der nicht minder anspruchsvollen 15 „Rosenkranzsonaten“ von Hein­rich Ignaz Franz Biber (1644-1704) hat Henning Vater am Freitag in St. Jacobi vorgestellt.

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Heinrich Ignaz Franz Biber

Quelle: EF

Göttingen. Biber war ein bravouröser Geiger – und ein gläubiger Christ, der mit diesem Sonatenzyklus das Leben Jesu beschreibt. Drei Gruppen von je fünf Sonaten umfasst der Zyklus. In der ersten Gruppe („Der freudenreiche Rosenkranz“) geht es um Geburt und Jugend Christi, in der dritten („Der glorreiche Rosenkranz“) um Auferstehung und Himmelfahrt. Vater spielte die „schmerzenreiche“ zweite Gruppe über die Passion Christi: von der Szene am Ölberg über die Geißelung, die Dornenkrone und die Kreuztragung bis zur Kreuzigung.

Der Ausdrucksreichtum in diesen Sonaten ist verblüffend groß. Manche Passagen klingen meditativ wie inbrünstige Gebete, dann wieder gibt es lautmalerische Abschnitte, in denen man die Schläge bei der Geißelung oder das Einschlagen der Nägel ins Kreuz hört. Einige Sätze repräsentieren auch barocke Tanztypen wie Allemande, Sarabande oder Gigue.

Eine weitere Besonderheit: Für jede Sonate müssen die Saiten umgestimmt werden, was den Klangcharakter erheblich beeinflusst. Darauf hatte sich Vater eingestellt, indem er vier Barockgeigen dementsprechend vorbereitet hatte.

Den gewaltigen Spannungsbogen dieser fünf Sonaten gestaltete Vater mit kluger Dramaturgie – von zurückgenommenem Klageton des Lamento bis zu den gewalttätigen Peitschungen der Geißelung oder den unbarmherzigen Nagelschlägen am Kreuz. Mit edlem Ton und nirgends eitel hervortretender, aber stets brillanter Virtuosität erfüllte er eindrucksvoll den hohen Anspruch dieser Musik. Stefan Kordes an der italienischen Orgel sorgte für das sichere Bassfundament und ließ zwischendurch den Geiger mit einer Orgeltoccata von Froberger zu Atem kommen. Herzlicher Beifall in der gut besuchten Kirche.

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Von Redakteur Michael Schäfer

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