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Herausgeber der Tagebücher von Harry Graf Kessler geehrt

NDR-Kultur-Sachbuchpreis Herausgeber der Tagebücher von Harry Graf Kessler geehrt

Aus den 800 Werken, die rund 330 Verlage eingereicht hatten, hat die Jury des NDR-Kultur-Sachbuchpreises am Sonntag in der gut besuchten Göttinger Uniaula am Wilhelmsplatz den Sieger gekürt. Gewonnen hat Harry Clemens Ulrich Kessler, später Harry Graf Kessler.

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Als Herausgeber der Tagebücher Harry Graf Kesslers geehrt: Roland S. Kamzelak (l.) und Ulrich Ott (M.) mit Denis Scheck.

Quelle: Vetter

Er konnte die Auszeichnung nicht persönlich entgegen nehmen, Kessler starb am 30. November 1937 in Lyon. Der mit 10    000 Euro dotierte Preis ging somit an Roland S. Kamzelak und Ulrich Ott.
„Wir würdigen damit den verlegerischen Mut und die editorische Leistung“ erklärte Joachim Knuth, NDR-Programmdirektor Hörfunk und Vorsitzender der Jury deren einmütiges Votum. Denn Kamzelak und Ott haben seit 2004 die Tagebücher Kesslers in bislang acht Bänden herausgegeben, der neunte und letzte soll im Herbst 2011 folgen. Mehr als 57 Jahre, von 1880 bis 1937, schrieb Kessler über 10    000 Seiten. „Einen halben Meter Buchrücken“ messe die Gesamtausgabe, sagte Laudator Wilhelm Krull, Generalsekretär der Volkswagenstiftung. Er schilderte den Grafen als „einzigartige Erscheinung, Multitalent und schillernde Persönlichkeit“.
Kessler, 1868 in Paris geboren, besuchte im Alter von zwölf Jahren ein Internat in England, wechselte 1892 an das Johanneum in Hamburg. Er studierte Jura, später Kunstgeschichte, war Mitherausgeber der Kunstzeitschrift Pan. Von 1902 bis 1906 führte er das Großherzogliche Museum für Kunst- und Kunstgewerbe in Weimar. 1913 gründete Kessler den Verlag Cranachpresse. Im Ersten Weltkrieg ging er an die Front, in der Endphase der Kämpfe leitete er die deutsche Kulturpropaganda für die Schweiz. 1918 wurde er Botschafter in Polen.
Die beiden zweiten Preise, dotiert mit je 2000 Euro, vergab die Jury an den britischen Historiker John Darwin für sein Werk „Der imperiale Traum“ und an den Literaturwissenschaftler und Präsidenten der Freien Universität Berlin, Peter-André Alt. Er hat in seiner „Ästhetik des Bösen“ die Wandlungsprozesse der Vorstellungen vom Bösen erforscht. Beide waren aus beruflichen Gründen verhindert.
Einen breiten Raum in der Verleihungsveranstaltung nahm ein weiteres Buch ein: „Deutschland schafft sich ab“ von Thilo Sarrazin, auf der „Spiegel“-Bestseller-Liste der Sachbücher auf Platz eins. Für den Soziologen Oskar Negt ein Negativ-Beispiel. Ihn habe beim Blick auf die Liste „ein gewisses Grauen erfasst“, sagte Negt: „Das diskreditiert das Sachbuch.“ Johanna Wanka, niedersächsische Ministerin für Wissenschaft und Kultur, kennt Sarrazin schon länger und hält ihn für einen Provokateur. Der Literaturkritker Denis Scheck hält „Sarrazins Thesen für grundfalsch“, den Umgang mit Sarrazin dennoch für „schrecklich“.
Hochkarätig war auch das umrahmende Programm. Der Schauspieler Rolf Becker las aus den Tagebüchern Kesslers. Und der Bratschist Nils Mönkemeyer begeisterte das Publikum mit „Schmissigem und Romantischen“ so Moderator Joachim Knuth. Anschließend fuhr Niggemeyer weiter nach Essen, wo er am Nachmittag mit einem „Echo Klassik“ als Nachwuchskünstler geehrt wurde.

Von Peter Krüger-Lenz

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