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Douwe Draaisma erklärt den Traum vom Fliegen

"Herbst im Frühling" Douwe Draaisma erklärt den Traum vom Fliegen

Sie begleiten uns jede Nacht, aber nur selten erinnern wir uns an sie: Träume. Am Freitagabend sprach der Psychologe und Hochschuldozent Douwe Draaisma in der Reihe „Der Herbst im Frühling“ zum 25-jährigen Bestehen des Literaturherbstes in der Paulinerkirche über das „Träumen und Vergessen“.

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Lesung mit dem Schriftsteller Douwe Draaisma in der Paulinerkirche in Göttingen.

Quelle: Wenzel

Göttingen. Seine Lesung inszeniert der Psychologe Draaisma nicht, wie erwartet, als Lesung im eigentlichen Sinne, sondern als dialogische Erzählung, die er mit Anekdoten und Fragen schmückt. „Wer hat Träume, in denen er fliegt?“, fragt Draaismadas Publikum. Zaghaftes Nicken und Gemurmel ist die Antwort.

Wie Superman

„In welcher Position?“, will er genauer wissen. Und es stellt sich heraus: Die meisten Menschen träumen in den sogenannten Flugträumen, dass sie wie Superman fliegen. Doch warum träumen so viele Menschen vom Fliegen?

„Flugträume sind gut zu behalten“, sagt Draaisma. Sie seien der Wirklichkeit näher als die meisten anderen Träume, wie zum Beispiel, wenn man im Traum Menschen trifft, die bereits gestorben sind. Je nach Land und Region habe der Flugtraum eine unterschiedliche Bedeutung. Träumt ein Inder, er fliege, bedeute dies ein gesundes Aufwachsen der Kinder. In China dagegen stehe der Flugtraum für Glück.

In seinem Vortrag, den Draaisma auf Englisch, aber mit einer deutsch untertitelten Präsentation hält, kommt der niederländische Psychologe auch auf negative Phänomene des Träumens und Schlafens zu sprechen. Ob Schlaflähmung, Schlafwandeln, Albträume oder Nachtschreck – hier findet sich jeder wieder.

256 Arten von Gedächtnis

Mit einem Video zeigt Draaisma eine schlafende Frau, die in ihrem rosa Pyjama durch die Küche tanzt – und ihre urkomische Reaktion auf genau das in einem zweiten Video, nachdem ihr Sohn das Schlafwandel-Video bereits auf Youtube gestellt hat.

Neben dem Thema Träumen spricht der 1953 in Nijverdal geborene Draaisma an diesem Abend auch über das Vergessen. „Es gibt 256 Arten von Gedächtnis“, sagt er und scherzt: „Wenn es um die Frage geht, ob man ein gutes Gedächtnis hat, sollte man eigentlich fragen, welches Gedächtnis gemeint ist“.

Wie wir träumen

Douwe Draaisma: "Wie wir träumen". Galiani, 320 Seiten, 22,99 Euro.

Draaisma erklärt Phänomene des Erinnerns und Vergessens: So beschreibe beispielsweise das semantische Gedächtnis das Vergessen vom Ursprung einer Information, die man gespeichert hat. Der Mensch wisse beispielweise, dass Madrid die Hauptstadt Spaniens ist, erinnere sich aber nicht mehr, woher diese Information stammt, zum Beispiel aus der Schule oder aus Büchern.

Bodenständig und veständlich

Der Reminiszenz-Effekt dagegen beschreibt die Erinnerungen an frühe Lebensjahre. Eine Statistik zeigt, dass sich 100-Jährige eher an ihre Jugendzeit erinnern als 80-Jährige. Dass der Mensch sich so gut an seine Jugend erinnert, ist nicht nur biologisch zu erklären, sondern liege in auch daran, dass er in dieser Zeit wichtige Dinge zum ersten Mal erlebt, wie den ersten Schultag oder den ersten Job, erklärt Draaisma.

Auf eine sehr bodenständige und verständliche Art erklärt Draaisma eine Wissenschaft, die so komplex scheint und uns doch Tag und Nacht begleitet. Seine Auflockerungen durch Videos, witzige Anekdoten und Bilder sorgen bis zum Schluss für Gelächter im Publikum.

Von Tomke Aljets

"Der Herbst im Frühling" : Das Programm am Sonnabend und Sonntag

Anja Tuckermann: „Alle da!“ (16. April, 16 Uhr, Literarisches Zentrum),

Heinz Bude: "Die Macht der Stimmungen" (16. April, 19 Uhr, Altes Rathaus),

Martin Walser: „Ein sterbender Mann“ (16. April, 21 Uhr, Altes Rathaus),

Dörte Hansen: "Altes Land und neue Ufer" (17. April, 11.15 Uhr, Deutsches Theater),

Thea Dorn: „Die Unglückseligen“ (17. April, 17 Uhr, Deutsches Theater),

Philipp Köster und Jens Kirschneck: „11 Freunde“ (17. April, 19 Uhr, Deutsches Theater).

  literaturherbst.com /  literarisches-zentrum-goettingen.de

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