Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° Regenschauer

Navigation:
Hochromantische Göttinger Serenade

Göttinger Symphonie Orchester Hochromantische Göttinger Serenade

Wenn das Holz krank ist, springt das Blech ein: Statt des angekündigten Holzbläserquartetts haben am Wochenende fünf Blechbläser-Kollegen des Göttinger Symphonie-Orchesters die Kammermusik-Serenade bestritten. Werke auf fünf Jahrhunderten standen am Montag im Alten Rathaus auf dem Programm.

Voriger Artikel
Kultur aus "Göttingen ist bunt"
Nächster Artikel
Göttinger Gipfeltreffen mit Shandra Konzok

Auf dem Podium saßen die Musiker im Halbkreis in folgender Reihenfolge von links nach rechts: Helmut Pohner, Kathrin Duschmalé, Lukas Bieber, Roman Usenko und Henrike Geniser.

Quelle: HW

Göttingen. Mit dem 16. Jahrhundert ging es los: zwei klangprächtige Stücken des niederländischen Musikers und Druckers Tylman Susato eröffneten den stilistisch vielfältigen Abend mit den Trompetern Helmut Pöhner und Henrike Geniser, der Hornistin Kathrin Duschmalé, dem Posaunisten Roman Usenko und dem Tubaspieler Lukas Bieber. Ähnlich strahlend ging es weiter mit der frühbarocken Canzon Bergamasque von Samuel Scheidt.

Nächstes Konzert:

Die nächste Kammermusik-Serenade unter dem Motto „Senza Basso“ ist für Sonntag, 17. April, im GDA-Wohnstift und Montag, 18. April, im Alten Rathaus angesetzt. Beginn ist um 19.45 Uhr.

Hochromantisches aus dem Osten folgte: das 1890 komponierte erste Blechbläserquintett des russischen Komponisten Victor Ewald, der darin etliche Volkslieder seiner Heimat verwendet. Sehr ausgewogen war das Zusammenspiel der fünf Bläser, beseelt im Ton, lebendig in der Dynamik, unaufdringlich virtuos. Mit zwei Bach-Sätzen – einem Contra­punctus aus der „Kunst der Fuge“ und der Choralbearbeitung „Jesus bleibet meine Freude“ – endete der ernste erste Teil des Abends.

Sehr schmissig ging’s weiter. Die Kompress-Fassung von Bizets „Carmen“ – zusammengestellt aus Ouvertüre, Habanera (mit wunderschönem Horn-Solo), Seguidilla und dem „Auf in den Kampf“-Schluss – war in ihrer rhythmischen Spannung und ihrem melodischen Schmelz ein ganz besonderes Erlebnis. Ganz unauffällig lösten sich die beiden Trompeten in der Ouvertüre ab, indem sich die eine in die Trillerfigur des anderen gleichsam einschlich und das Solo fortführte. In der Romanze des mexikanischen Trompeters Rafael Mendez (1904-1982) bezauberte Trompeterin Henrike Geniser mit ihrer besonders gesanglichen Melodieführung.

Vollends ins unterhaltende Fach wechselte das Quintett mit Dmitri Schostakowitschs spielwitziger „Jazz-Suite“, die ursprünglich für ein Varieté-Orchester geschrieben ist. Tänzerisch locker gestalteten die Musiker Foxtrott, Polka, Walzer und finalen Marsch, bewiesen ansteckende Spielfreude und spritzige Virtuosität. Und bereitwillig gewährten sie eine Zugabe für den lebhaften Beifall der Zuhörer: einen Blues von Benny Goodman. Die Wah-wah-Effekte erzeugte Helmut Pöhner dabei nicht mit dem üblichen Dämpfer, sondern mit der Gummi-Saugglocke eines Abflussreinigers. Perfekt.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Von Redakteur Michael Schäfer

Die Milchbar im Nörgelbuff