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Holger Edmaier mit „Ich Rindviech!“ im Göttinger Apex

Fleischbeschau und rote Stöckelschuhe Holger Edmaier mit „Ich Rindviech!“ im Göttinger Apex

Holger Edmaier kann tierisch nett über Kühe reden, aber garstig sein kann er auch. Am Sonnabend hat der Musikkabarettist im Göttinger Apex freimütig bekannt: „Ich Rindviech! (Ihr aber auch)“. Ein Programm zwischen Kuhstall und Kleinkleckersdorf, Gogo-Tanz und Grillzange.

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Holger Edmaier

Quelle: Heller

Göttingen. Genetisch betrachtet stammen alle deutschen Hausrinder von einer kleinen Auerochsen-Gruppe aus Ostanatolien ab, erklärt Edmaier. Wer hätte es gedacht: „Das Steak vom deutschen Jungbullen ist in Wirklichkeit ein Döner.“

Der 43-Jährige spannt einen weiten Bogen. Nach einem kulturgeschichtlichen Überblick über verschiedene Rinderarten führt seine Ochsentour vom Kuhdorf seiner Kindheit über die Fleischtheke im Supermarkt und einen Wellness-Urlaub auf dem Bio-Bauernhof bis auf den Olymp. Zum Thema Domestizierung von Haustieren und Ehemännern stellt er dabei auch ganz grundlegende Fragen wie: „Möchte ich einen Hund oder ein Kind? Versaue ich mir den Teppich oder das ganze Leben?“

Bei seinen Betrachtungen begegnet der gebürtige Bremer, der nach 21 Jahren in Köln mittlerweile in Stuttgart lebt, einigen illustren Gestalten. Da gibt es die schräge, aus Osteuropa stammende Nachbarin, die, mittlerweile beim vierten Ehemann angelangt, einiges an Lebenserfahrungen mitbringt. Von dörflicher Partnersuche und dem Kampf gegen das Älterwerden und die zunehmende Schwerkraft erzählt Edmaier, von seiner esoterisch angehauchten Freundin oder dem Rangeln um die letzte Scheibe Mortadella mit der Alnatura-Fair-Trade-Nahkampf-Mutter.

Und beim Thema Rindviecher kommt der diplomierte Sportwissenschaftler, der seit 1998 auf Kabarett-Bühnen unterwegs ist, natürlich nicht an Zeus vorbei, der sich beim Buhlen um die schöne Europa in einen Stier verwandelt. „Europa –  ein Kontinent wird inkontinent. 28 blaue Kühe versuchen, sich gegenseitig zu melken“, bringt Edmaier die aktuelle Situation sarkastisch auf den Punkt.

Das Programm des Pop-Kabarettisten kommt als Musik-Entertainment-Show daher. Mal begleitet er seine Lieder am Klavier, mal singt und tanzt er energiegeladen zu eingespielter Musik. Seine Turnschuhe tauscht er zwischendurch sogar gegen rote Stöckelschuhe, um ganz souverän und mit Grandezza als Go-go-Tänzerin im Striplokal über den Fleischbeschau im Wandel der Zeiten zu sinnieren. Seine Lieder sind mal poetisch und bitter-süß, mal frech und bitterböse. Über suizidal veranlagte Wild- und Haustiere singt er ebenso wie über Beziehungskram und kindliche Träume.

Edmaier versteht es, scheinbar fröhlich lächelnd mit viel hintersinnigem Witz feine Spitzen zu setzen. Charme und Eloquenz treffen bei ihm auf bitterböse und unterhaltsam verpackte Seitenhiebe. Das Publikum lacht viel und klatscht ausgiebig. Mit einer Schlager-Persiflage bedankt sich Edmaier bei den Zuschauern.

 Von Karola Hoffmann

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