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Holk Freytag inszeniert „Der zerbrochne Krug“ in Bad Hersfeld

Kein Wort zu viel Holk Freytag inszeniert „Der zerbrochne Krug“ in Bad Hersfeld

Stark besetzt ist die Produktion „Der zerbrochne Krug“, die jetzt bei den Bad Hersfelder Festspielen Premiere hatte. Stephan Schad, 2013 mit dem Großen Festspielpreis für „Nathan der Weise“ ausgezeichnet, spielt jenen Richter Adam, der so eigenwillig Recht spricht.

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Reichlich mitgenommen: der Dorfrichter Adam (Stephan Schad) mit dem Gerichtsschreiber Licht (Nikolaus Kinsky).

Quelle: Lefebvre

Bad Hersfeld. Marie Therese Futterknecht wurde im vergangenen Jahr mit dem Großen Festspielpreis für „Maria Stuart“ geehrt, jetzt ist sie die Frau, deren Krug in Scherben zersprungen ist. Nina Petri ist in einer Hosenrolle zu sehen. Sie gibt den Gerichtsrat Walter. Andrea Cleven, in den vergangenen Spielzeiten mit spektakulären Rollen in „Der Name der Rose“ und „Die Wanderhure“, ist diesmal als Eve besetzt, jener jungen Frau, der der Richter so perfide nachstellt. Das Premierenpublikum feierte die Inszenierung von Holk Freytag, im vergangenen Jahr noch als Intendant der Festspiele geschasst, begeistert.

 
Freytag hat sich ganz dicht an das Stück von Heinrich von Kleist gehalten. Sein Ensemble spürt der feinen Sprache des großen Dichters nach. Allein das bereitet schon großes Vergnügen. Doch den Schauspielern ist es auch gelungen, die Geschichte auf dem feinen Grat zwischen Lustspiel und Drama zu halten, auf dem Kleist es angesiedelt hat.

 
Schad ist ein ganz starker Richter Adam, der mit all seiner Cleverness versucht, sich aus der misslichen Lage herauszuwinden und sich doch nur immer tiefer verstrickt in seine widersprüchlichen Aussagen und die Spurenlage, die nach und nach immer klarer wird. Schad zeigt Adam als ernstzunehmenden Gegner und nicht als bloße Witzfigur. Das gibt der Figur trotz aller Charaktermängel viel Größe – und damit eine bemerkenswerte Tiefe und Vielfalt.

 
Futterknecht ist als redselige Mutter, die bereit ist, für ihr Recht zu kämpfen, wenn es sein muss auch bis zur höchsten Instanz, eine würdige Gegnerin. Für Richter Adam, aber auch für den Verlobten (Sébastien Jacobi) ihrer Tochter, der an der jungen Frau zweifelt, und dessen bärbeißigen Vater (Hans-Christian Seeger).

 
Ganz hoch konzentriert haben Regisseur Freytag und sein Ensemble die Inszenierung angelegt – kein Wort, keine Szene zu viel. Ein großes Erlebnis.

 
Weitere Vorstellungen: 17. Juni und 4. bis 9. Juli, um 21 Uhr in der Stiftsruine in Bad Hersfeld. Kartentelefon: 0 66 21 / 64 02 00.

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