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Hoppenstedt-Werkschau im Alten Rathaus Göttingen

„Atem der Bilder“ Hoppenstedt-Werkschau im Alten Rathaus Göttingen

Seit 30 Jahren lebt und arbeitet Georg Hoppen­stedt in Göttingen. In diesem Jahr feiert er seinen 70. Geburtstag. Das ist der Anlass für eine umfassende Retrospektive – die Ausstellung „Atem der Bilder“, die im Alten Rathaus zu sehen ist.

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Linienspiele, untrennbar verbunden mit der Kraft der Farbe: Georg Hoppenstedt.

Quelle: Heller

Göttingen. Auch wenn manche Titel – etwa „Flieger“, „Seelenhaus“, „Alte Muschel“ – konkrete Bildthemen verheißen, ist Hoppenstedts Bildsprache in erster Linie abstrakt. Und zwar von Anfang an, sprich von den frühesten in Göttingen entstandenen Arbeiten, die – die Ausstellung ist weitgehend chronologisch sortiert – gleich im ersten Raum beim Fahrstuhl hängen. Bei der großformatigen „Käferaufbahrung“ muss man sich schon einige Seh-Mühe geben, im Spiel der kraftvollen Linien etwas Beinartiges herauszulesen.

 
Ohnehin ging und geht es Hoppenstedt in seinen Bildern vor allem um Linienspiele – die immer untrennbar verbunden sind mit der dynamischen Kraft von Farbe. In Linien manifestiert sich Schwung, die „gestische Malweise“ und der „momentane Impuls“, wie es im Einführungsblatt zur Schau heißt.

 
Von der Nutzung konkreter Bildvorlagen, die in der 1996 entstandenen fünfteiligen Serie „Model 1 – 5“ zu beobachten ist, hat sich Hoppenstedt längst entfernt. Womöglich war ihm später dieses Verfahren zu gefällig – wiewohl die Spannung zwischen unterlegtem Fotoelement und spontaner Tempera-Übermalung heute noch eine fröhliche Wirkung ausstrahlt.

 
In den letzten Jahren des 20. Jahrhunderts wird Hoppenstedts Stil deutlich kraftvoller, selbstbewusster. Die Sprache der Linien entwickelt eine bezwingende Rhythmik. „Wie das Pulsieren des Blutes in den Adern oder die Abfolge von Schritten schafft er (der Rhythmus) Lebendigkeit“, hat Hoppenstedt in der Eröffnungsrede zur Ausstellung „move me“ 2002 gesagt. Die Bilder strahlen eine unmittelbare Emotionalität aus.

 
Am Beispiel der diversen Lichtenberg-Bilder aus den Jahren 1992, 1995, 2000 in 2015 im Kabinett neben der Treppe lässt sich Hoppenstedts Umgang mit Farbe exemplarisch beobachten. Als Grundmotiv beherrscht der Kopf Lichtenbergs die Bilder – und auf diesem wiederholten Untergrund spielen sich Farb-Dramen ab, wenn sich etwa in einer vierteiligen Folge die Farbflächen vergrößern, verändern, ein Eigenleben entfalten.

 
Der Betrachter kann immer wieder neu auf eine Entdeckungsreise durch diese starken Bilderwelten gehen. Er wird stets Neues entdecken.

 
„Atem der Bilder“ ist bis zum 25. Oktober im Alten Rathaus Göttingen, Markt 9, dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr zu sehen. Am Sonnabend, 26. September, führt Georg Hoppenstedt um 15 Uhr durch die Ausstellung.
Am Freitag, 11. September, wird um 17 Uhr die Ausstellung „Studien nach der Natur“ von Georg Hoppenstedt in der Torhaus-Galerie am Stadtfriedhof, Kasseler Landstraße 1, eröffnet (bis 27. September).

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