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Hoppenstedt und Harton eröffnen zwei Ausstellungen in Göttingen

Bücher und ein versenktes Kleid Hoppenstedt und Harton eröffnen zwei Ausstellungen in Göttingen

„Ungewöhnliche  Räume“ haben sich Künstler aus der Region gesucht, um dort auszustellen. Die Idee geht zurück auf den Verein „Kulture unterstützt Stadt Göttingen“ (Kunst). Der nämlich hat für das Jahr 2015 eine Projektförderung ausgeschrieben, die eben dies beinhaltet: die Suche nach „ungewöhnlichen Räumen für die Kultur“.

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Georg Hoppenstedt (links) erläutert seine Ausstellung im Antiquariat.

Quelle: Heller

Göttingen. Die ersten beiden Ausstellungen der fünf Schauen umfassenden Reihe sind jetzt eröffnet worden. Georg Hoppenstedt stellt bis Sonnabend, 18. Juli, in einem Antiquariat aus, Sabine Harton bis Sonntag, 19. Juli, im Leinekanal.

Die Bücherwand der Großeltern und der Bücherschrank in der elterlichen Wohnung – die Erinnerungen Hoppenstedts, Jahrgang 1945, an Bücher reicht weit zurück. Als Jäger und Sammler sieht sich der Maler heute, viel Zeit verbringt er in Antiquariaten. Als die Idee zu der Ausstellung aufkam, sprach er also die Antiquare seines Vertrauens an, die Familie Pretzsch in der Groner Straße 5. Die ließen sich auf das Wagnis ein.

Eng ist es in den beiden Räumen, die mit Büchern vollgestopft sind. Kleinformatig sind die Blätter, die Hoppenstedt hier zeigt. Auf Buchseiten passen sie. Denn mit Monotypien hat er sie bedeckt, mit Einmal-Drucken, die die Schrift der Seiten überfärbt, so dass nur wenige Satzfetzen oder Worte noch zu entziffern sind.

Berühmte Werke von Nietzsche, Lenin und Schopenhauer hat Hoppenstedt dafür ausgewählt. Er habe nicht alle diese Bücher gelesen, sagt der Künstler. „Aber meine Interpretation ist befeuert von dem Image dieser Bücher“, erklärte er zur Vernissage. In einem christlichen Erbauungsbuch vom Anfang des 19. Jahrhunderts – eigentlich eine eher abschreckende Lektüre – habe er nach dem Überdrucken Worte und Sätze entdeckt, die im Zusammenspiel mit der künstlerischen Fläche an Stärke gewonnen hätten.

Dem Zufall ist bei der Monotypie viel Raum zugedacht. Der Künstler muss spiegelverkehrt denken und kann nicht alles vorhersehen, was passiert. Das allerdings ist ein Feld, auf dem Hoppenstedt sich mit viel Neugier und Souveränität bewegt.

Die zweite Ausstellung der Reihe eröffnete Sabine Harton direkt im Anschluss. Im Leinkanal auf Höhe der Goetheallee versenkte sie ein weißes Kleid. Das ist je nach Stand und Klarheit des Wassers mal besser, mal schlechter zu sehen. Aber mögliche Assoziationen zwischen Ophelia und dem geplatzten Traum von der Ehe lieferte sie mit Zettel an der Brücke gleich mit. Zu wenig Werk, zu viel Erklärung.

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