Volltextsuche über das Angebot:

17 ° / 12 ° Regenschauer

Navigation:
Humoristische Brillanz

Impro-Theater Humoristische Brillanz

Improtheater kann man lieben oder hassen. Sicher, die Dramaturgie ist selten ausgefeilt und die Gags zünden nicht immer, aber dennoch ist es oft näher am Leben als es das Spiel nach Drehbuch je sein wird. 

Voriger Artikel
Wie im spätmittelalterlichen Göttingen
Nächster Artikel
Jazzinterpretationen mit Gefühl und Glanz

Die „Crumbs“: Steven Sim und Lee White.

Quelle: Heller

Beim kanadischen Impro-Duo „Crumbs“ wird man zudem das Gefühl nicht los, dass die Jungs vorher genau abgekartet haben, was sie tun – natürlich zu Unrecht.

Aber das, was die beiden weltweit erfolgreichen Schauspieler spontan auf die Bühne des Lumière gebracht haben, war einfach nicht nur unheimlich lustig, sondern zudem noch thematisch und dramaturgisch zusammenhängend. Dabei war das Publikum bei der Stichwortvorgabe wie gewohnt diabolisch: Ein Arzt, ein Barkeeper und ein Maschinengewehr sollten den Abend füllen. Vorhang auf! Stephen Sim and Lee White führten dann öffentlich vor, was man sich im Stillen schon länger gedacht hat: Die Berufe Arzt und Barkeeper sind quasi austauschbar. Daher entschieden sich die Protagonisten des Stücks auch, für einen Tag die Rollen zu tauschen. Und siehe da, der Wirt im Kittel, der sich die Fachrichtung „Doctor of Everything“ gegeben hat,  rettet einer krebskranken Dame tatsächlich das Leben und bringt nebenbei ein Kind zur Welt.

Das Maschinengewehr wurde in einer parallelen Geschichte verarbeitet, in der sich zwei schießwütige Waffennarren das Sorgerecht für eine Pistole teilen und irgendwann entdecken, dass man als Eltern lernen muss, loszulassen – besonders wenn man seinem Mann aus Versehen in den Kopf geschossen hat. Crumbs‘ Theater ist skurril und lebt von der Dekontextualisierung alltäglicher Situationen, die dadurch eine völlig neue, teils bizarre Rahmung erhalten.

Angesichts der humoristischen Brillanz von Sim und White ist es Lars Wätzold und Katrin Richter von der „Comedy Company“ hoch anzurechnen, dass sie die zweite Hälfte des Abends zusammen mit dem Duo bestritten haben. Noch mehr Respekt gebührt den beiden, weil sie in Englisch spielen mussten.

Genau da lagen dann aber auch die Grenzen insbesondere von Katrin Richter, die sich dermaßen durch das Programm stammeln musste, dass man aus Sympathie zur ansonsten ganz quirligen Schauspielerin Gänsehaut bekam. Natürlich sorgte ihr Radebrechen für die meisten Lacher („He wonted to tatsch mei Pu“), allerdings lag es schmerzlich auf der Hand, dass es weniger ihren Pointen als ihr selbst galt. Das klingt hart, aber selbst der beste Pianist würde sich doch nicht auf die Bühne trauen, wenn er Cello spielen müsste?

Der Abend mit den vier Impro-Akteuren war aber trotzdem sehenswert. Witz und Wahnwitz liegen manchmal eng beieinander.

Von Jonas Rohde

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr zum Artikel
Tag der Niedersachsen

Selbst komprimiert zusammengefasst füllt das Programm der acht Bühnen 16 Seiten des Programmheftes zum Tag der Niedersachsen in Duderstadt. Einige ausgewählte Beispiele aus dem Programmen der Bühnen:

  • Kommentare
mehr
NDR2-Soundcheck: Statements von der Open City Stage am Sonntag