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„Ich bin kein Freund von Jugendbüchern“

Schriftstellerin Alexa Hennig von Lange „Ich bin kein Freund von Jugendbüchern“

Aus ihrem neuen Buch „Leute, das Leben ist wild“, hat sie noch nie gelesen. Nun tut sie es mit riesiger brauner Brille. Autorin Alexa Hennig von Lange schlüpft in ihre Charaktere, verleiht ihnen eine eigene Stimme.

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Schreiben mit Schnulzen, lesen mit Spaß: die Autorin Alexa Hennig von Lange.

Quelle: Hinzmann

Die Zuhörer im nicht vollbesetzten Literarischen Zentrum sind live dabei, als sich die desaströse Geburtstagsparty von Lelle, Hauptfigur dieses Romans – und bereits dreier anderer – abspielt: Ausgerechnet an Lelles Geburtstag trennt sich ihr Vater von ihrer Mutter. Und dann hat ihn auch noch eine von Ritas Töchtern dabei gesehen. Rita ist die klatschsüchtige Freundin von Lelles Mutter. Lelle und ihre Schwester Cotsch versuchen die ohnehin labile Mutter zu trösten. Während dieser Geburtstag im großen Stil den Bach runter geht, ist der Ich-Erzählerin Lelle doch der Spaß an der Dramatik anzumerken. Im inneren Monolog, dem dominanten Stilmittel des Romans, malt sie sich aus, wie toll es wäre, sagen zu können: „An meinem 17. Geburtstag ist mein Vater abgehauen!“ Sie genießt die „volle Breitseite Leben“.

Das sei auch ihr nicht fremd, sagt Hennig von Lange, die in der Reihe „Literatur macht Schule“ mit Literaturwissenschaftlerin Catharina Koller spricht. Alles zu dramatisieren und sich auch auszumalen, was passieren würde, wenn sie sich umbrächte. Dies alles habe in ihrer Teenagerzeit eine große Rolle gespielt. Lelle sei so etwas wie ihr Alter Ego. „Was heil ist, konnte ich lange Zeit nicht ertragen“, meint Hennig von Lange, die sehr konzentriert wirkt und sich oft längere Denkpausen gönnt, bevor sie – immer unvorhersehbar – antwortet. Man merkt, wie viel Reflexionsarbeit dahinter steckt, wenn sie über Verlustängste, Beziehungen, Trennungen und das Erwachsenwerden spricht. „Lelle bespricht Themen, die mich interessieren.“ Dem Teenagerleben habe sie sich lange sehr nah gefühlt. Das merkt man. Verstörend und doch befreiend wirken ihre oft heftigen Schilderungen.

Als Hennig von Lange erzählt, dass sie zum Schreiben gern Schnulzen wie „Lady in red“ oder Musik von Celine Dion höre, gibt es ein leises Stöhnen im Publikum. Sie lacht und erklärt, dass in dieser Art von Musik Emotionen auf simpelste Weise wirkungsvoll transportiert würden und das dem Schreiben sehr dienlich sei. Die Musik helfe dabei, sich selbst zum Medium für die Figur zu machen. Von der Aufspaltung in Jugend- und Erwachsenenliteratur hält sie wenig. Sie, die 2002 mit „Ich habe einfach Glück“ den Jugendliteraturpreis gewann, sagt sogar: „ Ich bin kein Freund von Jugendbüchern.“ Die meisten seien ihr zu anbiedernd, es passiere nichts.

Von Lelle wird es nichts Neues mehr geben. Aber vorerst können sich die Leser ja auf „Leute, das Leben ist wild“ freuen. Der Roman erscheint im März.

Von Marie Varela

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