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„Ich sing’ für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“

Katja Ebstein tritt beim Jubiläum des Vereins Freie Altenarbeit auf „Ich sing’ für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“

Vor 40 Jahren hat sie mit „Wunder gibt es immer wieder“ eine Schlagerkarriere gestartet. Dem Milieu weichgespülter Liedchen ohne Tiefgang ist die 65-jährige Sängerin und Schauspielerin Katja Ebstein seit langem entwachsen. Und das Publikum hält ihr die Treue, auch wenn nun die Zuhörer eher grauhaarig sind. Am Sonnabend präsentierte sie in der Aula am Waldweg vor ausverkauftem Hause ihr Programm „Na und – wir leben noch!“

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Ernsthafte Musikerin, glänzende Rezitatorin: Katja Ebstein, einst Schlagerstar.

Quelle: Heller

Organisiert hatte den Abend der Göttinger Verein Freie Altenarbeit, was dem Motto des Programms einen zum Schmunzeln anregenden Extra-Sinn verleiht. Das Konzert war der Auftakt zum 25-jährigen Jubiläum des Vereins, der die Sängerin bereits 2002 und 2005 nach Göttingen geholt hatte. Gleich mit dem eröffnenden Text von Hanns Dieter Hüsch machte Katja Ebstein klar, dass es ihr nicht um den Mainstream geht: „Ich sing’ für die Verrückten, die seitlich Umgeknickten“. Stefan Sulkes „Lieber Gott, komm doch mal runter“, Hannes Waders „Ich wünsche mir“, Dieter Süverkrüps „Wirtschaftsbericht bei der Nirgendwo AG“ oder Hüschs wunderbares Gedicht „Frieden fängt beim Frühstück an“: All dies sind sehr nachdenkliche, kritische, zugleich sehr menschliche Texte aus einer politisch bewegten Zeit, die nach dem inzwischen vollzogenen strammen politischen Ruck in die Mitte gern in den historischen Müll geworfen werden – wo sie beileibe nicht hingehören.

Sicher, Katja Ebsteins Stimme ist nicht mehr ganz so flexibel wie früher. Aber sie ist dennoch eine sehr ernst zu nehmende Musikern – und eine glänzende Rezitatorin, ob es sich um Gedichte von Heinrich Heine, Bert Brecht, Mascha Kaléko oder Erich Kästner handelt. Wahre Wunder am Flügel vollbrachte ihr Klavierpartner Stefan Kling, ein Pianist mit perfekter Anschlagstechnik, der im Jazz, aber auch im Chanson, nicht minder in der Klassik zu Hause ist. Mit fünf Tönen kann er eine Stimmung aufbauen, mit dem nächsten Akkord einen Beleuchtungswechsel inszenieren: bewundernswert. Der Beifall wollte kaum enden – und im Reigen der Zugaben gratulierte Katja Ebstein Michael Jasper vom Vorstand des Vereins Freie Altenarbeit so herzlich zum Jubiläum, dass einem ganz warm ums Herz wurde. Michael Schäfer

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