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Iiro Rantala im Interview über die Einfachheit von Melodien

„Durch die Brille von Lennon“ Iiro Rantala im Interview über die Einfachheit von Melodien

Der Pop-Visionär John Lennon wäre am 9. Oktober 75 Jahre alt geworden. Der Jazz-Pianist Iiro Rantala spielte aus diesem Anlass die CD „My Working Class Hero“ mit Solo-Piano Interpretationen des Beatles-Musikers ein. Am 7. November stellt er das bereits sehr erfolgreiche Album auf dem Göttinger Jazzfestival vor. Im Interview spricht er über Lennon, seinen Lieblingspiano und über die Vereinfachung des Lebens.

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Familienmensch der viel Sport treibt: der Jazzpianist Iiro Rantala.

Quelle: Hohenberg

Sie tragen eine John-Lennon-Nickelbrille auf dem Foto ihrer neuen CD. Verändert sich die eigene Sicht, wenn man mit den Augen John Lennons in die Welt schaut?
Durch die Brille von Lennon wundere ich mich über die gleichen Dinge wie Lennon. Er fragte sich, warum sich Menschen gegenseitig umbringen. Es ist für mich völlig absurd, jemanden zu töten. Aber es passiert immer noch – in Syrien, in der Ukraine, an vielen Orten.

In Ihren Interpretationen schwingt so viel Respekt gegenüber John Lennon mit. Was schätzen Sie an diesem Künstler?
Lennon hat das Talent für einfache Melodien wie „All You Need Is Love“. Diese Melodie ist so einfach wie „Happy Birthday To You“ (lacht). Dieses Einfache spricht mich an. Und ich mag, dass er so ehrlich ist. Er dachte auch nicht, dass seine Lieder etwas Bedeutendes seien – eine gesunde Botschaft von einem Künstler. Er ist ein wirklicher Bohemien: Es war ihm egal, was andere über ihn gedacht haben.

Lennon war ein politischer Mensch. Fehlt Ihnen das Politische im Jazz?
Nein. Ich denke, im Jazz geht es immer um Freiheit. Es ist eines der Fundamente des Jazz, dass ein Musiker sich selbst frei auszudrücken kann.

Auf dem Göttinger Jazzfestival gastierten Sie 2004 mit Trio Töykeat und sehr virtuoser Musik. Was ist passiert, dass Sie jetzt so reduzierte und einfache Musik spielen?
Die Musik mit dem Trio wurde sehr schnell und technisch. Das wollte ich nicht mehr. Mein Solo-Album „Lost Heroes“ 2011 war die Zäsur. Dort gab es einfache Melodien – und es wurde mein bestverkauftes Album. Da merkte ich, dass Menschen dies mögen. Zudem spiele ich viel mit dem Bassisten Lars Danielsson. Seine Kompositionen sind einfach und gleichzeitig sehr kraftvoll. Danach suche ich in meiner Musik.

Haben Sie auch andere Dinge in Ihrem Leben vereinfacht?
Ich lebe jetzt ein gesundes Leben. Ich bin ein Familien-Mensch und treibe Sport. Ich investiere viel Zeit und Energie in meinen Körper. Das ist neu in meinem Leben.

Damit fühlen Sie sich sicher auf Tournee besser.
Absolut! Ich spiele viele Konzerte. Jeden Tag muss ich von morgens bis nachmittags reisen, abends ein Konzert geben und ein bisschen schlafen. Und am nächsten Tag das Gleiche. Dafür muss ich körperlich fit sein.

Auf vielen Bühnen erwartet Sie ein Steinway-Flügel. Ist es nicht langweilig, immer dasselbe Piano zu spielen?
Wenn ich das Piano auswählen könnte, würde ich einen italienischen Fazioli-Flügel spielen. Ich denke die Qualität des Instruments ist gleich gut wie ein Steinway. Aber Fazioli ist neu, ist aufregender und es macht Spaß darauf zu spielen.

Die Aufnahmen der John-Lennon-Titel entstanden am legendären Alfred-Brendel-Steinway in der Galerie Ihres Produzenten in Berlin. Was ist für Sie das Besondere an diesem Flügel?
Dieser Steinway ist phänomenal! Er klingt warm hat aber Schärfe und Brillanz in den Höhen. Ich bin glücklich, dass mein Produzent Siggi Loch diesen Flügel gekauft hat. Aber ich bin wohl der einzige der damit aufnimmt, denn in seiner Gallerie gibt es sehr viel Hall.

Wie lange dauerten die Aufnahmen?
Es war die schnellste Aufnahme, die ich je machte. Wir starteten morgens um zehn Uhr. Mittags kam ein Klavierstimmer und wir gingen essen. Kurz nach drei Uhr war das Album fertig. Ich spielte von jedem Stück ein oder zwei Aufnahmen ein. Nur von „Imagine“ machte ich drei Aufnahmen.

Das Interview führte Udo Hinz

38. Göttinger Jazzfestival

Das 38. Göttinger Jazzfestival findet vom 31. Oktober bis zum 8. November statt. An den Haupttagen des Festivals, Freitag und Sonnabend, 6. und 7. November, spielen unter anderem das Andromeda Mega Express Orchestra, Christy Doran, Omar Sosa, Tony Malaby und Ray Anderson im Deutschen Theater.

Karten gibt es in den Tageblatt-Geschäftsstellen, Jüdenstraße 13c in Göttingen und Auf der Spiegelbrücke 11 in Duderstadt.

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