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Illusionskunst in Kassel

„Das Spiel mit dem Betrachter“ Illusionskunst in Kassel

Zersprungene Rahmungen, fiktive Orte, die durch Architektur  im Raum erschaffen werden, Federmalereien, die vorgeben, eine Graphik zu sein – so täuscht der Künstler den Betrachter. Wie vielfältig die Illusionskunst ist, zeigt die Gemäldegalerie Alte Meister in Kassel mit der Sonderausstellung „Kunst und Illusion – Das Spiel mit dem Betrachter“.

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Quelle: r

Öffnungszeiten

Kassel. Die Sonderausstellung „Kunst und Illusion – Das Spiel mit dem Betrachter“ ist noch bis Sonntag, 30. Oktober, in der Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe, Schlosspark 1, zu sehen. Geöffnet ist sie dienstags bis sonntags sowie an Feiertagen und 10 Uhr bis 17 Uhr, mittwochs bis 20 Uhr.

Mit ihrer aktuellen Sonderausstellung zeigt die Gemäldegalerie Alte Meister im Schloss Wilhelmshöhe die Bandbreite an künstlerischen Möglichkeiten, dem Betrachter eine Illusion zu vermitteln – sei es als Gemälde, Graphik, auf kunsthandwerklichen und technischen Gegenständen oder auch auf Möbeln. 

Neben der Vortäuschung von Materialität und Perspektive ist auch die Nachahmung der Flora und Fauna ein Thema des Trompe-l’œil. So vereinen Blumenstillleben wie Willem van Aelst‘ 1656 gemaltes „Stillleben mit Blumenvase und Taschenuhr“ Blumen, die in Wirklichkeit nicht zeitgleich blühen – und schafft damit nicht nur die Illusion einer Pflanzenwelt, die sich gegen die Natur stellt, sondern konserviert auch die Vergänglichkeit der Blume als damaliges Luxusgut für die Ewigkeit.

Ähnliches zeigt sich auch mit kunsthandwerklichen Arbeiten, die verschiedene Insekten, Eidechsen und Schmetterlinge auf Geschirr als friedliche Gemeinschaft präsentieren – in freier Natur wäre diese Ansammlung so wohl kaum vorzufinden.  

Ursprung in der Antike

Das Trompe-l’œil (vom französischen „tromper l’œil“, „das Auge täuschen“) hat seinen Ursprung bereits in der Antike. So habe der Maler Zeuxis sich von seinem Kontrahenten Parrhasios täuschen lassen, da er seinen gemalten Vorhang zur Seite schieben wollte. Damit entstand auch der Wettstreit-Gedanke zwischen Malerei, Bildhauerei und Graphik. In Zwischenzeit vergessen, etablierte sich das Trompe-l’œil im 17. Jahrhundert endgültig in der Kunst.

Von Besonderheit ist auch der regionale Bezug der Ausstellungsstücke: So stammen bis auf ein Werk alle aus sieben Sammlungen der Museumslandschaft Hessen-Kassel (mhk). Einige Gemälde wurden eigens für die Sonderausstellung restauriert, andere, wie Rembrandts „Die heilige Familie mit dem Vorhang“, 1646, sind bereits aus der Dauerausstellung bekannt.

Eine Attrappe, eine Illusion

Zu verdanken ist diese umfangreiche Sammlung von Illusionskunst vor allem den hessischen Landgrafen, die mit malerischen Reliefs und Skulpturen ihre Besucher zu irritieren wussten. Das zeigt auch eine Anordnung von Büchern aus der Löwenburg, die, betitelt mit Rittergeschichten und Sagen, für die große Mittelalter-Leidenschaft von Landgraf Wilhelm IX. steht. In Wirklichkeit handelt es sich – wie bei der Löwenburg auch – um eine Attrappe, eine Illusion, um Holz mit aufgeklebten Buchrücken von Büchertiteln, die teilweise gar nicht existieren. 

Der humorvolle Aspekt der Ausstellung zeigt sich auch in einem Kommentar der Gemäldegalerie, die François-Xavier Visprés „Le Concert“ auf eine gewisse Art und Weise weiterführt: Vor dem Ölgemälde, das eine gerahmte (und fiktive) Graphik mit scheinbar gesprungenem Glas zeigt, haben die Kuratoren der Ausstellung einen Haufen Scherben angeordnet und runden damit die Illusion perfekt ab.

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