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Ausloten der eigenen Grenzen

Im Atelier von Matthias Walliser Ausloten der eigenen Grenzen

Zahlreiche ambitionierte Künstler leben und arbeiten in Südniedersachsen. Wir besuchen sie in ihren Ateliers, stellen sie und ihre Arbeit vor. Heute: Matthias Walliser.

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Der Künstler Matthias Walliser will mutig sein.

Quelle: Wenzel.

Herberhausen. Der Atelierraum ist klar strukturiert: eine Regalwand, in der die ganzen Utensilien stehen, davor ein Sessel, ein Stuhl, ein Rollwagen, gegenüber die Malwand. Der Teppichboden ist übersät mit Farbklecksen. Der Raum lässt ahnen, was Walliser beschreibt. „Das Agieren vor der Leinwand ist einfach heftig.“ Große Formate sind sein Ding, solche „wo man wirklich Platz hat, den Pinsel auch zu bewegen.“ Seine Malweise schreibt der 56-Jährige eher dem amerikanischen abstrakten Expressionismus zu.

„Für mich ist das Malen eher die Aktion, der Prozess des Schaffens“

„Für mich ist das Malen eher die Aktion, der Prozess des Schaffens“, beschreibt Walliser. „Kunst ist sozusagen ein Raum der Befreiung, wo man sich auch von Konventionen befreien kann.“ Und er lässt noch weiter in seine Arbeitsprozesse blicken. „Ich gucke eigentlich mehr als ich male. Es entwickelt sich etwas, weil ich eine Grundvorstellung habe, die sich dann aber auch schrittweise um 180 Grad drehen kann.“

Das Ausdrucksspektrum seiner Bildmotive bewegt sich zwischen zeichenhaften figürlichen Elementen und Abstraktion. Während seiner Arbeit im Atelier lässt Walliser einen winzigen uralten Fernsehapparat laufen. Mitunter schnappe er dann Wortfetzen auf, die in das Bild hineinpassen wie ein Pinselstrich. Wobei Schrift für Walliser im Prinzip ein gestalterisches Element ist. Zumeist malt er mit Ölfarben, mitunter mit Acryl auf Leinwand, manchmal arbeitet er auch in Serien.

Expressiv, ungestüm, aufwühlend

An der Malwand hängen zwei Teile eines großformatigen Bildes. Auf schwarzem Grund leuchten kleine Farbflächen in Gelb, Pink und Weiß, daneben die Worte „working hard hardly working“ aus einem Liedtext von Tom Waits. Gut balanciert und räumlich gesetzt. Wallisers Arbeiten, von denen er eine Auswahl zeigt, sind expressiv, auch ungestüm und aufwühlend. „Ich finde es gut, wenn es eine Reaktion auslöst und zwar eine eindeutige“, sagt der Künstler.

Der 56-Jährige ist ohne bewusstes Ziel und Programm jenseits einer klar definierten Ästhetik des Goldenen Schnittes unterwegs: „Das kostet auch Überwindung, selbst an den eigenen Rand zu gehen, immer offen zu sein, Neues und Anderes zuzulassen und etwas aufzugeben.“

„Von der Herangehensweise verstehe ich mich als Maler“

„Von der Herangehensweise verstehe ich mich als Maler“, sagt Walliser. Auch wenn er daneben noch Collagen, Objekte und Installationen fertigt. Oft sei es eine Frage der Räumlichkeiten, ob er seine großformatigen Bilder ausstelle und auch ausstellen könne.

Schon als Schüler hat sich der gebürtige Marburger, der mit sechs Jahren nach Göttingen kam, für Kunst interessiert. Vier, fünf Jahre lang lebte er in Rom, wo er der Street Art begegnete. Wieder zurück, entstanden Kontakte zur „Göttinger Malszene“. Impulse gab ihm auch der bekannte Künstler Helmut Bönitz. Ein journalistisches Volontariat beim Göttinger Tageblatt folgte Mitte der 80er-Jahre, dann seine Tätigkeit als Fotograf für verschiedene Zeitungen zwischen Südniedersachsen und Salzgitter. Mittlerweile ist Walliser als freischaffender Künstler tätig.

„Mir ist wichtig, dass es authentisch ist"

„Mir ist wichtig, dass es authentisch ist, dass ich nicht das Gefühl habe, mir hat hier jetzt jemand in mein Bild hineinregiert, und dass ich soweit wie möglich versuche, mich zu befreien“, sagt Walliser. „Ich versuche, an den eigenen Rand zu gehen, meine eigenen Grenzen auszuloten.“ Deshalb gehöre auch das lange Betrachten zum Schaffensprozess. Etwas zu überwinden, mutig zu sein, etwas zu riskieren – das sind Wallisers künstlerische Herausforderungen.

Von Karola Hoffmann

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