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Im Göttinger Hör-Saal: erst chemische Experimente, dann Ray Wilson

Segeln unter Genesis-Flagge Im Göttinger Hör-Saal: erst chemische Experimente, dann Ray Wilson

An der hinteren Wand hängt eine große Schautafel. Das Periodensystem ist dort abzulesen, wenn man das denn kann. Wir befinden uns in einem Chemie-Hörsaal. Diejenigen jungen Menschen, die sonst hier sitzen, können das. Oder sie lernen es, es sind schließlich Studenten. An diesem Mittwochabend ist der Saal prall gefüllt, vor allem ältere Menschen sind gekommen.

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Kurz mal berühmt: Ray Wilson, Ex-Sänger der legendären Band Genesis.

Quelle: Vetter

Göttingen. Viele von ihnen wollen sich an ihre Jugendzeit erinnern. Denn auf der provisorisch aufgebauten Bühne steht Ray Wilson. Der schottische Rockmusiker ist in der Reihe „Musik-Hör-Saal Chemie“ mit seinem „Genesis Classic“-Programm gekommen – wieder einmal. Wilson war schon verschiedentlich zu Gast in der Stadt, beim Festival im Kaiser-Wilhelm-Park im Göttinger Stadtwald beispielsweise, aber auch vor kleinem Publikum im Irish Pub. Aber warum eigentlich?

Wilson hat ein Album mit der Band Genesis aufgenommen. 1996 wurde er engagiert, nachdem Phil Collins ausgestiegen war. Der hatte den Part des Frontmannes einige Jahre vorher bereits von Peter Gabriel übernommen, vorher saß Collins am Schlagzeug. Die künstlerisch große Zeit von Genesis waren die 70er-Jahre, in denen die Band mit ihrem Progressive Rock eine Generation durch die Jugendjahre begleitete. Die kommerziell erfolgreichste Zeit waren dann die 80er, in denen sich Genesis mit Collins am Mikrophon dem kommerziellen, radiotauglichen Mainstream-Rock zuwandte. Mit Collins Ausstieg war der Niedergang der Band offenbar nicht mehr aufzuhalten, auch nicht durch Wilson.

Jetzt also segelt der 1968 geborene Schotte unter der Genesis-Flagge durch die Welt. Einige Ur-Genesis-Nummern hat er im Programm, ein bisschen aus der Collins-Zeit, aber auch viele eigene Stücke. Denn er war natürlich nicht nur in seiner kurzen Genesis-Zeit als Musiker aktiv. Eine Reihe von Bands hat Wilson er- und überlebt. Er kann auf einige erfolgreiche Chartstürmer-Titel zurückblicken, das tut er wohl auch ganz gerne.

An diesem Abend im Hör-Saal tritt Wilson im Quintett auf, das nach mehr Musikermasse klingt. Denn da tönt neben den üblichen Drums, Keyboard, Bass und Gitarre auch Geige und diverse Blasinstrumente. Da sind fünf Profis am Werk, die einen Abend mit ganz normalem britischen Rock präsentieren. Das hat wenig mit Genesis zu tun, aber viel mit dem Rockmusiker Wilson. Der verfügt nicht über ein Alleinstellungsmerkmal – außer seiner kurzen Genesis-Vergangenheit. Aber hörbar ist das allemal, was er mit seinen Musikern produziert. Die da oben auf der Bühne haben Spaß, die Besucher im Hör-Saal auch. Am Ende gibt’s Beifall im Stehen.

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