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„Wohin sollt ihr gehen?“

Junges Theater Göttingen „Wohin sollt ihr gehen?“

Knackend tönt es aus dem Megafon: „In der neuen Welt darf niemand Demokrat sein!“ Ein zerbrochenes Europa ist der Schauplatz des Stückes „Krieg – Stell dir vor, er wäre hier“, das am Freitag in einer Inszenierung von Nico Dietrich im Jungen Theater Premiere hatte. Grundlage ist Janne Tellers gleichnamiges Jugendbuch.

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Im Jungen Theater wird das Publikum ins Kriegsgebiet versetzt

Quelle: R

Göttingen. Linda Elsner und Karsten Zinser entfalten auf der Bühne ein Szenario, in dem der Krieg nicht in einer entfernten Fremde stattfindet, sondern im Herzen Europas. Städte werden bombardiert, es fehlt an Unterkünften und Medikamenten. Aus den kalten Kellern werden die Jungen mit Plastikkanistern zum Wasserholen geschickt.

Der Bruder schließt sich der Militia an und wird verwundet. Dann bietet sich der Familie eine Möglichkeit zur Flucht. Die Schauspieler springen im Verlauf des Stückes in unterschiedliche Rollen, vom Lager-Aufseher bis zum ägyptischen Bäcker. Sie stellen das Geschehen dar, doch der Protagonist ist der Zuschauer selbst: „Du bist noch unversehrt, aber du hast Angst.“ Mit Ausnahme von wenigen Dialogen wird das Publikum direkt angesprochen und ist so gezwungen, sich in den Handlungsverlauf hineinzuversetzen.Das Bühnenbild von Susanne Ruppert kommt mit dem Nötigsten aus. Auf eine schwenkbare Tafel malen die Darsteller das zerstörte Wohnhaus oder den Stacheldrahtzaun im Flüchtlingslager. Mit einer ägyptischen Flagge wird sie zur Botschaft, in der der Asylantrag erneut aufgeschoben wird.

„Du gewöhnst dich daran, Kuchen zu verkaufen.“ Jahre vergehen, und in der Hitze und Langeweile des Lagers wächst der Verdruss. „Daran, als Mensch dritter Klasse betrachtet zu werden, gewöhnst du  dich nie.“Das Stück vollzieht einen Perspektivwechsel der aktuelle Flüchtlingssituation auf den Kopf stellt. Flüchtlingen aus Europa begegnet die arabische Welt mit Vorurteile: Sie könnten nichts anderes, als „den ganzen Tag im Büro sitzen und Papier umdrehen“.

Dabei bleibt die Handlung zum Großteil auf der rein deskriptiven Ebene.Elsner und Zinser gelingt es, in einem stellenweise hektischen Ablauf für Gänsehaut zu sorgen. Zusammengekauert an einem Zaun dient den Flüchtenden das mitgebrachte Tagebuch als kurzer Moment zum Innehalten. Schnappschüsse aus den unbeschwerten Tagen als Teenager werden herumgezeigt, und im schwindenden Licht singen die beiden leise und zaghaft „Over the Rainbow“.

Weitere Vorstellungen

Nächste Vorstellungen im Jungen Theater Göttingen, Hospitalstraße 6, um 20 Uhr am 24. und 31. Oktober, am 15. und 23. November; außerdem Termine für Schulvorstellungen um 11 Uhr.  JT-Kartentelefon 0551/495015. 

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