Volltextsuche über das Angebot:

25 ° / 16 ° Gewitter

Navigation:
Das Innerste nach außen

Anna McCarthy Das Innerste nach außen

Ihre erste institutionelle Einzelausstellung in Deutschland zeigt die in München ansässige Künstlerin Anna McCarthy derzeit beim Kunstverein Göttingen. Arbeiten in unterschiedlichen Techniken hat McCarthy dafür in den Räumen der Oberen Galerie des Künstlerhauses installiert.

Voriger Artikel
Kinogenuss unter freiem Himmel
Nächster Artikel
750-Jahrfeier mit Stefan Stoppok
Quelle: Peter Heller

Göttingen. „What are people for?“ fragt die Künstlerin sich und ihr Publikum im Titel der Ausstellung. Mit Malereien, Zeichnungen, Installationen, Videos und aufgezeichneten Performances begibt sich McCarthy auf die Suche. Dabei kehrt sie das Innerste nach außen, oft ganz wörtlich. So finden sich zwei offene, an die Wand genagelte Mäntel mit den Titeln „Fleischmantel“ und „Meat dealer coat“, deren Futter aus in die Jahre gekommenen Bildern aus Kochbüchern und ähnlichem bestehen, eine Übersicht über die verschiedenen Organe und rohe Fleischstücke inklusive. Roh und in fast brachialem Stil auf Leinwand oder Papier gebracht, sind Bilder und Collagen wie etwa das Selbstportrait „The witch“. Dabei kehren auch sie Inneres nach außen, nicht nur motivisch, sondern auch als intimer Einblick in Gedanken, Ängste und das Selbstbild der Künstlerin, zumindest das, was sie davon zeigen mag.

Ein majestätisch aus dem Bild blickender Hund

Aus dem Bild heraus nach außen in den Galerieraum kommen auch einige leere Flaschen, die im Bild „Guarder of the peace“ eher unauffällig vor einem majestätisch aus dem Bild blickenden Hund - vorgestellt mit sicher beabsichtigtem Seitenhieb als „Trump“, Stammmutter der Jack Russel Terrier - skizziert sind, finden sich als echte Flaschen auf dem Boden vor der Wand wieder. Ob Bierflaschen als Wächter des Friedens funktionieren?

Nachrichten und das, wie sie gemacht werden und was sie mit Menschen machen, sind ein weiteres zentrales Thema in McCarthys Werken. In ihren Performances und Videos des fiktiven Senders „HTSAR TV“ setzt sie sich mit aktuellen Themen wie Flucht, Fake News oder Angst auseinander und kehrt damit letztlich auch das Versteckte, das Innere dieser Themen nach außen. Ein wenig mehr Zeit für den Ausstellungsbesuch inklusive Videoschauen einzuplanen, lohnt sich also.

McCarthy lenkt mit verschiedenen Kniffen den Blick

Mit verschiedenen Kniffen schafft McCarthy Verbindungen zwischen ihren Arbeiten, lenkt den Blick. Das gelingt ihr nicht nur mit großer, augenfälliger Pose, sondern auch mit diversen Anis-Sternen, die in den Ausstellungsräumen verteilt angebracht sind und Besucher, haben sie deren Blick erstmal auf sich gezogen, auf ungewisse Fährten schicken.

Die Ausstellung „What are people for?“ von Anna McCarthy ist noch bis Sonntag, 30. Juli im Künstlerhaus Göttingen, Gotmarstraße 1, zu sehen. Öffnungszeiten sind dienstags bis freitags von 14 bis 18 Uhr sowie sonnabends und sonntags von 11 bis 17 Uhr. Kostenlose Sonntagsführungen durch die Ausstellung finden am 2. und 9. Juli jeweils um 15 Uhr statt.

Von Isabel Trzeciok

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Hier bloggen wir zu den Göttinger Händel-Festspielen 2017 – berichten von Vorbereitungen, besuchen Opernproben und werfen einen Blick hinter die Kulissen. mehr

Diana Kanter besucht „Die Nutznießer – ,Arisierung‘ in Göttingen“