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Immer mehr Magnolien-Arten überstehen frostige Nächte

Spätere Blüte Immer mehr Magnolien-Arten überstehen frostige Nächte

Jedes Jahr dasselbe Roulette. Werden sie ihre üppige Schönheit entfalten, die Blüten der in unseren Gärten so beliebten Tulpenmagnolie, oder doch wieder als pappige braune Klumpen zu Boden gehen, dahingerafft von den tückischen Spätfrösten? Wie geht es aus, heißt es auch diesmal: Grandios gescheitert, stolze Diva?

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Magnolia obovata: Ihre Blüten sind cremefarben, duften stark und erreichen einen Durchmesser von etwa 25 Zentimetern.

Quelle: Traub

Warum kann die störrische Madame mit dem wohlklingenden botanischen Namen Magnolia soulangiana nicht einfach ein paar Tage später blühen? Warum stürzt sie sich immer wieder allzu voreilig ins Verderben? Herr Soulange-Bodin, Vater unserer Schönen, dem es vor bald 200 Jahren nach einer Laufbahn als Kavallerieoffizier unter Napoleon I. gefiel, sich als Pionier (er war der erste überhaupt) der Kreuzung von Magnolien zuzuwenden, kann uns da auch nicht mehr helfen. Was also bleibt den betrübten Zeugen dieser Frühjahrstragödie? Ein Sack voll Alternativen!

Schon dieser Herr und seine späteren Kollegen waren zu ihrer Zeit erstaunlich produktiv - auch wenn das heute meist sehr bescheidene Magnoliensortiment in unseren Baumschulen dies nicht vermuten lässt.

Was aber ist erst in den letzten 50 Jahren durch die Arbeit unermüdlicher Züchter in den USA, Neuseeland und Europa geschehen. Eine kaum mehr überschaubare Anzahl neuer, unser Klima durchaus zuträglich findender Edeldamen wartet auf eine Chance in unseren Gärten.

Von Monsieur Soulange-Bodin zu uns – das ist, mit Verlaub, nicht mehr als ein Magnolien-Wimpernschlag! Schon mit den Sauriern teilten sie sich vor etlichen Millionen Jahren den Lebensraum.

Auch diese eindrucksvolle Gestalt hat die Zeiten überdauert: Magnolia obovata, die Hinoki. Noch heute wächst sie in Japans Wäldern, bis auf die Kurilen wagt sie sich vor. Schon eine einzige Blüte vermag mit ihrem fruchtigen Duft die Umgebung zu erfüllen. Damals wie heute. Kommen wir ihr aber allzu nahe, verblüfft uns ein starker, wohlbekannter Geruch – Fruchtkaugummi! Wie kann das sein? Hatten sich die Aromaküchen den nicht gerade erst ausgedacht?

In unseren Gärten ist sie leider ein seltener Gast. Es können 15 Jahre vergehen, bis sich zum ersten Mal die seerosenschönen Blüten zeigen – Geduld ist nicht die Tugend unserer Zeit, wer will so lange warten? Dabei sind schon ihre riesigen, tropisch anmutenden Blätter eine Attraktion. Auch den strengsten Winterfrost übersteht sie gelassen, und nie wäre eine Hinoki so töricht, ihre Blüten vor Mitte Mai zu entfalten. Zugegeben – nicht jeder Boden ist ihr recht, wo aber Rhododendren glücklich sind, gefällt es ihr auf jeden Fall.
Ob Sie sich nun in diese uralte Dame verlieben oder einer der jungen den Vorzug geben, längst könnte sich jeder an seinem ganz persönlichen Schatz im Garten erfreuen – ohne das oft so uncharmant endende Frühlingsbangen. Stattlich oder schlank, breit oder schmal, kompakt oder ausladend können sie sein, geschmückt mit weißen, purpurnen, gelben, sogar bläulich schimmernden Blüten, die mal zierlich, dann wieder exotisch und üppig sind, früh im Jahr oder auch mitten im Sommer erscheinen. Schier unendlich ist die Palette der Farben und Formen. Warum nur begegnet man ihnen so selten?

Von Angelika Traub

Angelika Traub

Die Autorin ist Sprecherin des Zweiges Mitte – Fulda, Werra, Leine – der bundesweit organisierten Gesellschaft zur Förderung der Gartenkultur ( traub@gartengesellschaft.de). Angelika Traub sammelt seit langem gärtnerische Erfahrungen im eigenen Landschaftsgarten im Landkreis Northeim. Ihr Wissen über neue und alte, vertraute oder exotische, immer aber besonders gartenwürdige Stauden, Gehölze, Rosen, Zwiebelpflanzen, Kräuter, Gemüse- und Obstsorten wird sie fortan den Tageblatt-Lesern mitteilen. Neben Rolf Callauch, Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen und seit mehr als zehn Jahren Tageblatt-Autor in Sachen Gartentipps, schreibt Traub künftig einmal im Monat an dieser Stelle.

Die als gemeinnützig anerkannte Gesellschaft zur Gartenkultur ( www.gartengesellschaft.de) macht es sich zur Aufgabe, ihren Mitgliedern das große Spektrum der Gartenkultur nahe zu bringen: Vorträge, Exkursionen, Workshops gehören ebenso dazu wie die Zeitschrift „blätterrauschen“, deren Autorin Traub ebenfalls ist.

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