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Impro-Show zu Märchenthemen von der Göttinger Comedy-Company

Rap-Hunzel auf der Erbse Impro-Show zu Märchenthemen von der Göttinger Comedy-Company

Eine Expedition ins Märchenreich hat die Göttinger Comedy-Company am Donnerstag im Lumière unternommen. Mit Live-Musik und quer durch verschiedenste Genres wirbelte die Impro-Show die klassischen Märchen kräftig durcheinander. Ein durchaus spezieller Beitrag zu den zehnten Göttinger Märchenwochen.

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Können auch die Märchenonkel geben: Michael von Zalejski, Lars Wätzold und Stefan Graen (von links).

Quelle: Pförtner

Göttingen. Sie steht auf dem Schulhof und raucht. Sie ist gerade mal 14 und ihr Gesicht reichlich verbraucht. Die Märchenwelt ist auch nicht mehr das, was sie mal war. Das etwas morbide Lied auf Schneewittchen entspringt aus dem Stegreif der ziemlich schrägen Fantasie der Impro-Comedians Stefan Graen, Lars Wätzold und Michael von Zalejski. Ohne vorgefertigten Text und ohne jede Absprache treiben sie ihren Schabernack auf der Bühne. Und das Publikum macht dazu Vorschläge, was gespielt wird.

In der ersten Szene ist die Wachsamkeit und Spontaneität der Zuschauer ganz besonders gefragt. Die Comedians bleiben mitten in ihren Sätzen stecken, das Publikum muss sie grammatikalisch korrekt zu Ende bringen. Aus der Vorgabe „Jorinde und Joringel ziehen nach Jever um“ entwickelt sich ein turbulenter Ehestreit, der mit einem Mord mit einem Kartonmesser endet.

„Gefühlsachterbahn“ heißt es in der nächsten Runde. Wätzold und Graen müssen rund um eine „tolle Maschine, die Gold spinnt“ in Gefühle „hineinswitchen“. Eben noch überrascht und ängstlich, im nächsten Moment liebestoll, hochgradig jähzornig und rachsüchtig heißt es gleich danach Raterunde mit Hans im Glück und drei Verbrechen aus der Märchenwelt. Zalejski, der neben der musikalischen Begleitung auch als Darsteller agiert, spielt den Fragesteller. Graen gibt mit pantomimischen Handbewegungen die nötigen Hinweise. Wätzold muss raten. Hut ab, das Impro-Team, das seit mehr als 15 Jahren gemeinsam die Bühnen unsicher macht, ist einfach hervorragend aufeinander eingespielt. Aus jeder Sackgasse wird noch eine Pointe geholt.

Was sich aus der Märchen-Schlüsselszene „Rapunzel, lass dein Haar herunter“ machen lässt, zeigt das Trio beim Genrewechsel. Mal Erwachsenenfilm mit Tanzstange, mal Western mit „Rape-Hunzel“ und „Wyatt Prince“, als klassisches Drama („Hör ich eine Stimme gar? Es wär' die zweite in diesem Jahr“) und im Bollywood-Stil („ich bin allai-ai-ain“) überzeugen sie in jeder Version.

Dass es noch absurder und trashiger geht, belegt die Szene mit einem Expertengespräch um ein gefundenes Märchen-Fragment mit dem Titel „Ein sprechendes Sofa“ geht. Wätzold übernimmt dazu mit Ganzkörpereinsatz die Übersetzung in Gebärdensprache. Das Trio dreht auf, Wätzold ist völlig geschafft nach der Runde, und das Publikum lacht sich schier weg.

Zuletzt wird auch noch eine „Erbse“ als Gegenstand aus einem Märchen in unterschiedlichen Stilrichtungen von Reggae über Kinderparty bis Oper besungen. Die Vielfalt an Bühnenformaten scheint kaum ein Ende zu finden. Die Comedy-Company strotzt vor komischen Ideen und Spiellust. Ein toller und schräger Märchen-Abend.

Von Karola Hoffmann

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