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In der Orient-Phase

Göttinger Symphonie-Orchester In der Orient-Phase

Derzeit hat das Göttinger Symphonie-Orchester (GSO) eine Orient-Phase. Nach dem Konzert „Arabische Nächte“ am Donnerstag stand am Sonntag im Deutschen Theater das zweite Konzert im Zyklus „Kulturelle Begegnungen“ unter dem Motto „Perspektive Ägypten“. Solist war der Oud-Spieler Nehad El-Sayed.

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Solist Nehad El-Sayed.   

Quelle: EF

Göttingen. Ein stilistisch vielfältiges Programm hatte GSO-Chefdirigent Christoph-Mathias Mueller zusammengestellt. Es reichte von Webers „Abu Hassan“-Ouvertüre über Richard Heubergers Suite „Aus dem Morgenlande“ und Albert Ketèlbys „In the Mystic Land of Egypt“ bis hin zu Musik von Komponisten aus dem arabischen Raum.

Eines bewiesen die Werke der europäischen Komponisten sehr deutlich: Keiner von ihnen hat sich mit der originalen Musik des Orients auseinandergesetzt. Weber ziert seine Ouvertüre mit ein wenig türkischen Schlagzeug-Akzenten, Heubergers wienerische Melodik hat nur sehr, sehr entfernte morgenländische Anklänge, und Ketèlbys auf den Effekt getrimmte Musik bietet bunten Postkartenkitsch, mehr nicht.

Was aufhorchen ließ, waren die drei arabischen Werke, deren Komponisten versucht haben, ihr heimatliches musikalisches Idiom mit westlicher Instrumentalmusik zu verschmelzen. Das ist Abdalla El-Masri in seiner Symphony Concertante für Oud (die arabische Laute) und Orchester zwar gelungen, aber diese Musik blieb trotz ihres exotischen Reizes eher blass. Nicht schuld daran war der brillante Solist Nehad El-Sayed, der das Oud-Spiel staunenswert virtuos beherrscht und dabei mit differenzierten Anschlagsarten und vielen Farben aufwartet. El-Sayeds Zugabe: ein faszinierendes Solostück von Said Chraibi.

Sehr eindrucksvoll war „Baladi“ des ägyptischen Komponisten Gamal Abdel-Rahim (1924-1988), ein Orchesterstück mit komplizierten Rhythmen, starken Kontrastwirkungen und aparter Expressivität. Den tiefsten Eindruck aber machte El-Sayeds eigene Komposition „Rotating Hexeract“ für Oud und Orchester mit auskomponierten und aleatorischen Passagen im Wechsel und einem meditativ leisen Schluss. Das I-Tüpfelchen des Abends war das Finale: Vivaldis Mandolinenkonzert, gespielt auf der Oud – mit einer spannenden arabischen Kadenz. Viel Beifall im gut besuchten Haus für einen glänzenden Solisten, ein engagiertes Orchester, einen temperamentvollen Dirigenten und ein wagemutiges Programm.

Nächste GSO-Termine: Freitag, 8. April, um 19.45 Uhr in der Stadthalle Werke von Mozart und Sibelius; Donnerstag, 14. April, um 19.45 Uhr in der Uni-Aula Musik von Sperger und Beethoven.

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