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Lieblingslieder für große Mädchen

Ina Müller in der Lokhalle Lieblingslieder für große Mädchen

Ina Müller hat eher spät den Weg auf die große Bühne des Showbusiness gefunden, zuerst im Kabarett-Duo „Queen-Bee“ und ab 2005 dann allein. Fast alle Konzerte sind lange vorher ausverkauft. So auch die Lokhalle Göttingen, in der sie am Freitag ihr neues Album „Ich bin die“ präsentierte.

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Ina Müller in der ausverkauften Lokhalle Göttingen

Quelle: Harald Wenzel

Göttingen. „Lieblingslieder für große Mädchen... und Jungs“ sind nach ihrer Aussage auf dem Album zu finden. Eine Stimme aus dem Off zählt in einer rasanten Lobhudelei alle Auszeichnungen auf, die Müller in den vergangenen Jahren zuteil wurden. Euphorischer Beifall schon bevor der Vorhang sich öffnet.
Und dann steht sie da, im Rücken ihre fünfköpfige Band, zwei Backgroundsängerinnen und eine riesige Videoleinwand und gibt mit „Zimmer 410“ gleich ein atemberaubendes Tempo vor. Eigentlich habe sie sich in der letzten Woche schon zum Sterben hingelegt, erklärt sie schmunzelnd nach dem Stück, weil mehrere Krankheiten sie gleichzeitig befielen.

Ina Müller in der Lokhalle Göttingen

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Müller redet sich langsam warm, lamentiert über Bekleidungsprobleme in Verbindung mit Quetschwäsche, den Sinn von Joggen und Sport allgemein und über ein Buch, in dem die Männer letztendlich aussterben.
Zu dem atmosphärisch sehr bewegenden Trennungslied „Tag eins nach Tag aus“ fällt ein Vorhang aus Rollos zwischen sie und die Band. „Kommando Heulen“ begleitet Müller mit ihren Backgroundsängerinnen mit einem forschen Tänzchen, um sich anschließend keuchend auf einer herabgelassenen Schaukel niederzulassen. Dort erzählt sie über Mehrgenerationenhäuser, die früher auf ihrem Dorf nur schlicht Häuser hießen, weil diese Art des Wohnens üblich war. Sie und ihre Schwestern seien vom Großvater erzogen worden, der sie als Fernbedienungen benutzt hätte.
Sie redet sich in Rage über Hunde- und Handtuchhalter, Schaffner und TV-Werbung kurz vor acht, singt über Jungs, die „mit Mitte 20“ noch süß sind und schwingt sich zu stimmungsvoller Beleuchtung auf einen weißen Flügel. Zarte Gitarrenklänge schaffen zu einem Sternenhimmel die richtige Untermalung für „Bei jeder Liebe“. Zur Silhouette von Hamburg singt Müller über eine vergangene Beziehung in „So was passiert mir heut' nicht mehr“, und die sonst eher zurückhaltend agierende Band darf sich mal richtig austoben.
Lieder und Worte wechseln sich ab. Der Behauptung „Kinderkriegen sei wie eine Erkältung beim Mann“ lässt Müller noch eine Ausführung über das angebliche Wunderwerk Mensch folgen, sinniert über Zellenabbau und vergleicht Menschen mit Klappmülleimern. Das alles kommt mal locker humorvoll, mal auch zynisch herüber. Ausführungen über Beschwerden im Alter werden zu überstrapazierten Zoten.
Zu „Wenn du nicht da bist“ scheinen bewegliche Strahler ins Publikum, das Müller zum Finale auffordert, nach vorn an die Bühne zu kommen. Mit „Das war's“ verabschiedet sich die gesamte Band stimmungsvoll von den hörbar begeisterten Besuchern am Bühnenrand.

Von Jörg Linnhoff

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