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Indierock mit Robocaster der Marke Eigenbau

Konzert im Theaterkeller Indierock mit Robocaster der Marke Eigenbau

Melodiösen, elektronisch verfremdeten Indie-Rock spielt Matt Muldover auf selbst gebauten Instrumenten. Der Musiker aus San Francisco trat im Göttinger Theaterkeller auf. Zuvor hatte der Tüftler, der in Hackerkreisen verkehrt, einen Workshop gegeben.

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Matt Muldover

Quelle: r

Göttingen. Melodiösen, elektronisch verfremdeten Indie-Rock spielt Matt Muldover auf selbst gebauten Instrumenten. Sonnabendnacht ist der Musiker aus San Francisco im Göttinger Theaterkeller aufgetreten. Der ideenreiche Tüftler, der in Hackerkreisen verkehrt, hatte zuvor einen Workshop gegeben.

Die vielen Knöpfe und Schalter blinken und leuchten rot, gelb und blau. So versucht Muldover seinem Publikum nachvollziehbar zu machen, wo bei seinem Spiel die vielen, unerwarteten Geräuscheffekte herkommen. Der Sänger, der mit 13 Jahren seine erste Gitarre bekam, baut seit seinem Umzug nach San Francisco im Jahr 2008 selbst Instrumente.

Mit Mojo, einem Controller zum Mixen und Verfremden von Sounds, begann Muldover, der seit 2002 professionell Musik macht. „Die Geräte auf dem Markt sind nicht ergonomisch gestaltet“, findet er. Sein Mojo kann er bequem im Stehen bedienen. Die schachbrettgroße Holzkiste auf einem Ständer lässt sich beim Konzert mit einer Hand mal hierhin, mal dahin stellen. Mojo ist zudem robust. „Die verbauten Holz- und Metallteile brechen beim Transport nicht so leicht ab“, versichert Muldover. Durch neue Software könne er das Gerät an veränderte Bedürfnisse anpassen.

Instrumentenbau mit Tipps von IT-Firmen

Das nötige Wissen für den Instrumentenbau hat sich der Musiker selbst angeeignet. Er profitiere, berichtet er, bei Fragen zur Elektronik und zur Software von den vielen IT-Firmen in San Francisco. Unterstützung und Anregungen bekomme er zudem bei Hackertreffen, wie denen des Chaos Computer Clubs. Weltweit gebe es 15 bis 20 Personen, die ähnliche Instrumente bauten. Seine Vorbilder seien Beardy Man und Tim Exile aus London sowie Robert Henke.

2013 verschmolz Muldover sein Mojo mit einer E-Gitarre. So entstand der Robocaster. Statt mit einer Pedale lässt sich bei ihm mit Knöpfen auf dem Instrument die Lautstärke verändern oder der Sound verzerren. Die Möglichkeiten der Superguitarre präsentierte Muldover während seines Konzerts eindrucksvoll.

Aktuelles Album in einem Voice Crusher

Faszinierend ist auch MC1, ein mit Knöpfen und Joystick aufgemotztes Mikrofon. An diesem Spezialeffekte-Mikro tüftelt Muldover seit einigen Jahren. Auch die Verpackungen seiner Alben lassen sich als Instrumente nutzen. Sein aktuelles Album steckt in einem Voice Crusher, der beim Reinsprechen die Stimme verändert. Das Vorgängeralbum wird in einem Light Theremin verkauft, der Geräusche macht, wenn über ihm eine Hand bewegt wird.

Als Support trat am Sonnabend Joscha Bauer aus Kassel auf. Der ganz in Schwarz gekleidete Musiker stand während seines Auftritts gebeugt über einen Tisch voller Elektronik. Er drückte mal hier einen Schalter, mal drehte er dort einen Knopf. Über den hämmernden, treibenden Rhythmus aufeinander donnernder Metallteile legte er sphärische Klänge. Polizeisirenen und das Klingeln eines Weckers wob er ein, brummte zudem ins Mikro. So entstanden eindrucksvolle Klangräume zwischen Noise und Ambient.

Organisiert hat das Konzert und den Workshop Tobias Hunke. Der Göttinger schult Musiker im Umgang mit der Software des Berliner Unternehmens Ableron. Bei einer Ableron-Veranstaltung hat er Muldover kennengelernt. Hunke ist selbst Musiker. Er spielt bei der 2013 gegründeten Band Ego vs Emo.

Von Michael Caspar

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