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Indonesische Schriftstellerin Pamuntjak beim Göttinger Literaturherbst

Von Liebe und Leid Indonesische Schriftstellerin Pamuntjak beim Göttinger Literaturherbst

Die indonesische Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak schildert in ihrem Roman „Alle Farben Rot“ die Geschichte ihres Heimatlandes. Im Vordergrund steht die  Liebe von Amba und Bhisma. Ins Zentrum  rückt sie ein düsteres Kapitel der Historie des Inselstaats. Das Buch erscheint am Freitag, 25. September, auf Deutsch.

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Die indonesische Schriftstellerin Laksmi Pamuntjak mit ihrem Roman „Alle Farben Rot“.

Quelle: EF

Göttingen. 17 000 Inseln der Imagination: Das Motto der Frankfurter Buchmesse 2015 beschreibt das Ausmaß des Gastlandes als viertgrößtem Inselstaat der Welt und seine aus europäischer Perspektive zauberhafte Exotik. Zu den Inseln zählt auch Buru.

Dort wurde 1965, nach einem Putsch in der Hauptstadt Jakarta auf Java, ein Straflager eingerichtet, das bis heute als Symbol für die unmenschlichen Haftbedingungen des Regimes von General Suharto von 1965 bis 1998 gilt. 

Lindenroseneibisch. Ein Baum. Aber wie sieht ein Lindenroseneibisch aus? Nur ein Wort, das für die Lektüre von „Alle Farben Rot“ steht: Sie führt in eine fremde, ferne Welt. Was dort bekannt ist, ist es hier nicht. Die 1971 geborene Autorin Laksmi Pamuntjak hat mit ihrem ersten Roman in ihrer Heimat gleich einen Bestseller geschrieben.

Dort sind die Figuren aus dem „Mahabharata“ den Lesern geläufig, dort ist die Zeit der Kommunistenverfolgung und Inhaftierung während der Militärdiktatur zumindest bekannte, wenn auch wohl tabuisierte Zeitgeschichte.

Pamuntjak beschreibt das melancholisch, aber auch zuversichtlich. Bisher war sie in erster Linie als Journalistin und Buchhändlerin in Jakarta tätig, als Essayistin und Lyrikerin bekannt. Ihr neues Buch, das in englischer Übersetzung erschienen ist und am Freitag, 25. September, in Deutschland auf den Markt kommt, wird sie auf der Frankfurter Buchmesse und beim Göttinger Literaturherbst vorstellen.

Der Roman fordert heraus, sich mit Indonesien auf den Ebenen zu befassen, die Pamuntjak neben der Liebesgeschichte, die 1965 abrupt durch die Gefangenschaft von Bhisma auf Buru endet und bis 2006 Ambas Leben bestimmt, literarisch wählt: Das indische Epos Mahabharata ist in Java seit über einem Jahrtausend bekannt. Es bestimmt das javanische Schattenspiel und Tanztheater. Dagegen sind die Erinnerungen von Inhaftierten auf der Insel Buru Teil der jüngeren Geschichte Indonesiens.

Buru ist erstmals Thema eines Romans. Pamuntjak wollte damit in ihrer Heimat zum Nachdenken über ein tabuisiertes Thema anregen, aber auch das Selbstbildnis der Nation herausfordern. Neben ihr machen auch die Schriftstellerinnen Leila Chudori und Ayu Utami in ihren Büchern die Ereignisse der Sechzigerjahre in Indonesien zum Thema.

Alle drei sind keine Zeitzeuginnen. Aber wohl dieser Abstand und der liberalere, wenn auch immer noch nicht selbstverständliche Umgang mit der Suharto-Zeit lassen sie das Thema angehen. Was außerdem ein weiteres Merkmal der indonesischen Gegenwartsautorinnen ist, die sich kritisch zu Wort melden und aufmerksam machen auf gesellschaftliche Aspekte.

Die unterhaltsame Beschreibung von Liebe und der Schönheit des Lindenroseneibisch allein ist ihre Sache nicht, auch wenn sie ausschmückende Stilmittel und asiatische Zurückhaltung ebenso einsetzen.

In Indonesien ist Pamuntjaks Roman mit dem Titel „Amba“ 2012 erschienen. Nach England, wo der Roman „A Question of Red“ heißt, folgt nun die deutsche Übersetzung: „Alle Farben Rot“. Das Buch bringt den Lindenroseneibisch näher, aber vor allem bringt es Gewalt und Schrecken, Liebe und Leid nahe. Ein Buch, das den Blick lenkt auf die Geschichte Indonesiens, vor allem auf eine seiner 17 508 Inseln.

Laksmi Pamuntjak liest bei im Göttinger Literaturherbst am Sonnabend, 10. Oktober, um 19 Uhr im Goethe-Institut, Merkelstraße 4.

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