Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 9 ° Regenschauer

Navigation:
Innig, feurig, von bewegender Traurigkeit

Hornist Felix Klieser Innig, feurig, von bewegender Traurigkeit

Er zählt zu den weltbesten Hornisten, trat mit Sir Simon Rattle und Popstar Sting auf. Felix Klieser, der ohne Arme geboren wurde und die Ventile mit dem linken Fuß bedient, spielte am Sonntag im ehemaligen Schafstall des Gutes Besenhausen. Michael Schäfer begleitete ihn auf dem Flügel.

Voriger Artikel
Fetziger Boogie und ein volles Haus
Nächster Artikel
Gefängnis aus Gesetzen und Formularen

Legt viel Gefühl in sein Spiel: Hornist Felix Klieser.

Quelle: Harald Wenzel

Besenhausen. Schäfer, langjähriger Redakteur beim Tageblatt, lernte den Musiker vor mehr als zehn Jahren kennen. Dieser trat damals bei „Jugend musiziert“ auf. Schäfer sitzt dort im Regionalausschuss. Klieser bat um Klavierbegleitung. Aus einem „erstaunlich ordentlich spielenden Jungen“, so Schäfer, sei mit den Jahren ein „reifer Musiker“ geworden. Mittlerweile müsse er lange üben, um mit dem Hornisten, der heute in einer „anderen Liga“ spiele, mitzuhalten.

Klieser schafft es mit einer von ihm erarbeiteten Ansatztechnik auch weiche und dunkle Klänge zu erzeugen. Andere Hornisten verändern Tonhöhe und Klang mit der Hand im Schalltrichter. Sehr exakt und kraftvoll im Ton spielt der Musiker, legt viel Gefühl in die Stücke. Das langsame, innige Adagio und das feurige Allegro für Klavier und Horn, das Robert Schumann 1849 komponierte, wählten Klieser und Schäfer zum Auftakt ihres „Kultur im Kreis“-Konzerts.

Dem Klassiker aus dem überschaubaren Repertoires für die beiden Instrumente folgte eine Elegie, die Francis Poulenc 1957 auf den Hornisten Denis Brain verfasst hatte. Der 36-Jährige, ein Ausnahmetalent, war mit seinem Sportwagen tödlich verunglückt. Poulencs modernes Werk, dessen anspruchsvolle Wendungen Klieser souverän nahm, ist von bewegender Traurigkeit.

Spontanen Beifall spendeten die 230 Zuhörer bei Franz Danzis um 1805 entstandenen Sonate für Klavier und Horn Es-Dur op. 28. Die beiden Musiker spielten sie, anders als die anderen Stücke, erstmals gemeinsam.

Nach der Pause ging es mit vier Werken von Reinhold Glière aus dem Jahr 1908 weiter. Glière entstammt, anders als sein französisch klingender Namen vermuten lässt, aus einer Familie vogtländischer Instrumentenbauer. Der Vater kam in Russland zu Wohlstand. Glières Harmonik orientiert sich an Sergej Rachmaninow. Mit ihrer schwelgerischen, spätromantischen Tonsprache erinnern die Stücke an Filmmusik.

Das Konzert schloss, wie es begonnen hatte, mit einem Klassiker: diesmal Ludwig van Beethovens früher Sonate für Klavier und Horn F-Dur. Als Zugabe gab es noch die Romanze F-Dur von Camille Saint-Saëns zu hören. Das Publikum applaudierte stehend.

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Regional
NDR2 Soundcheck in Göttingen: Musikszene Deutschland