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Interpretenherrschaft der Kirchen, Unis und Imperien

Interpretenherrschaft der Kirchen, Unis und Imperien

Vielleicht weil Peter Sloterdijk zu den bekanntesten Philosophieprofessoren Deutschlands zählt, gehört er auch zu den umstrittenen. Als Buchautor und TV-Moderator machte er von sich Reden und ruft seine Kritiker regelmäßig auf den Plan.

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Peter Sloterdijk

Quelle: Bringmann

Dass Sloterdijk den ihm 2005 verliehenen Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa verdient, zeigt sein jüngstes Werk, das eigentlich eine Reihe von Vorworten ist: „Philosophische Temperamente“.

Im kleinen Band gelingt es dem Moderator der ZDF-Sendung „Das Philosophische Quartett“ die weitreichende Skala der Philosophie von Platon bis Foucault aufzuzeigen. Damit liefert er zwar auch das, was er als „Vorherrschaft der Sekundärliteratur“ kritisiert, aber Sloterdijks Porträts sind Einführungen im besten Sinne: Sie machen Lust auf das Original oder den weitestgehend ursprünglichen Text.

Nun werden die an philosophischen Lehren Interessierten sich sicher nicht das Gesamtwerk von 19 Philosophen daraufhin vornehmen. Aber Sloterdijks Überblick schärft den Blick für die Schulen und gibt im Sinne von Johann Gottlieb Fichte (1762-1814) vielleicht auch Selbsterkenntnis: Welche Philosophie man wählt hängt davon ab, was für ein Mensch man ist.

Von der Geburt der Philosophie im antiken griechischen Stadtstaat geht es um Platons Ziel um 400 vor Christus, dem „Leben unter steigender intellektueller Belastung“ eine Erziehungsidee gegenüber zu stellen. Sloterdijk, Jahrgang 1947, und stellt die folgenden Schulen bis zur Moderne nicht nur vor, sondern blickt immer auch auf die Anfänge zurück. Und, seien es Descartes, Schopenhauer oder Wittgenstein, es gelingt dem Autor, die prägnante Erklärung des Ziels des jeweiligen Philosophen. Bei Karl Marx (1818-1883) geht er auf die Interpretenherrschaft ein der Kirchen, Universitäten, Imperien, die sich die Lehren zu Nutze machen.

Der Erfolg des im vergangenen Jahr erschienenen Buches, dürfte Autor und Verlag veranlasst haben, in diesem Jahr ein Hörbuch folgen zu lassen. Philosophische Temperamente sind in der einen wie der anderen Form eine prägnante Einführung oder Auffrischung, um den Fackellauf des Denkens von 19 Philosophen aus Sicht Sloterdijks zu begleiten: So gelungen wie empfehlenswert für die, die sich mit weniger als absoluter Gewissheit über die großen Philosophen begnügen können.

Peter Sloterdijk: Philosophische Temperamente. Von Platon bis Foucault. Diederichs, 2009, 144 Seiten, 14,95 Euro. Hörbuch mit 3 CDs, 21,95 Euro. Sloterdijk liest am Sonnabend, 16. Oktober, um 19 Uhr in der Aula der Universität, Wilhelmsplatz 1.

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